Nur noch wenige Menschen beherrschen die Kunst, einen Meiler zu setzen, zu entzünden und über zwei Wochen hinweg zu kontrollieren. Einer von ihnen ist Lukas Sprich, der gemeinsam mit seinem Cousin Elmar, Neffen Christian und weiteren Helfern aus dem Dorf diese alte Tradition am Leben hält. Für viele Besucher ist der Meiler ein Magnet – für Urlauber gleichermaßen wie für Einheimische.

Kultur am Meiler: Handwerk zum Anfassen
Bereits zum 11. Mal wird in Wieden ein Kohlenmeiler in Glut gesetzt. Der Platz im Gewann Finstergrund, oberhalb des Besucherbergwerks, verwandelt sich während der rund 14 Tage in einen lebendigen Treffpunkt. Es duftet nach Holz, Rauch und Wald, Helfer schaufeln, klopfen, prüfen – und immer wieder kommen Gäste vorbei, um Fragen zu stellen oder einfach nur zu staunen. Für das leibliche Wohl ist gesorgt, und größeren Gruppen wird das Handwerk auf Voranmeldung gerne erklärt (Tel. 0172 749 2882). Die hochwertige Holzkohle kann später in den Tourist‑Informationen Schönau und Wieden gekauft werden – ein echtes Stück Schwarzwald für den Grill.
Blick zurück: Ein hartes Leben im Wald
Die Köhlerei gehört zu den ältesten Schwarzwälder Handwerken. Sie kam mit der Besiedlung des Gebirges und dem Abbau von Bodenschätzen wie Eisen, Silber und Kupfer in die Region. Für die Verhüttung dieser Erze – und später für die Glasherstellung – brauchte man Temperaturen, die mit einfachem Holzfeuer nicht zu erreichen waren. Erst die Verkohlung machte das Holz zum Hochleistungsbrennstoff.
Das Leben der Köhler war hart, einsam und ärmlich. Wochenlang hausten sie in einfachen Hütten tief im Wald, immer in der Nähe des Meilers, der nie unbeaufsichtigt bleiben durfte. Ihre Welt war geprägt von Rauch, Ruß und Stille – und sie prägten wiederum das Bild des Schwarzwalds, das später auch Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ inspirierte.
Köhlerei seit 2014 immaterielles Kulturerbe
2014 wurde die Köhlerei in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe erklärt – aus Anerkennung für Generationen von Köhlern, die mit ihrer Arbeit Landschaft, Wirtschaft und Kultur geprägt haben. In Wieden lebt diese Tradition weiter, nicht als Folklore, sondern als echtes Handwerk, das Wissen, Erfahrung und Leidenschaft braucht und vor allem deutlich macht, wie schwer es die Menschen hatten, die sich mit diesem Handwerk ihre Brötchen verdienen mussten.







