Foto: Günther Baumann
Ein Ort, der zutiefst bewegt: Der Friedhof der 32 Schulbrüder bei Unterkirnach, der trotz oder gerade wegen seiner Schlichtheit Großes ausstrahlt. Deshalb haben wir ihn auch als unser Titelbild für unsere Friedhofsgeschichte ausgewählt.
Ein Ort, der zutiefst bewegt: Der Friedhof der 32 Schulbrüder bei Unterkirnach, der trotz oder gerade wegen seiner Schlichtheit Großes ausstrahlt. Deshalb haben wir ihn auch als unser Titelbild für unsere Friedhofsgeschichte ausgewählt.
Foto: Günther Baumann

Allerheiligen: Zu Besuch auf 7 außergewöhnlichen Friedhöfen

30. Oktober 2026
Allerheiligen lädt dazu ein, innezuhalten. Viele Menschen besuchen an diesem Tag ihre lieben Verstorbenen. Doch viele Friedhöfe sind auch darüber hinaus einen Besuch wert. Neben traditionellen Gemeindefriedhöfen finden sich im Schwarzwald einzigartige Ruhestätten: historische Parkanlagen, verträumte Klostergärten und stille Waldplätze. Sieben haben wir für euch ausgesucht. Jeder dieser Orte zeigt auf seine Weise, wie vielfältig die Erinnerungskultur in unserer Region verankert ist. Sie laden gerade jetzt in diesen herbstlichen Tagen dazu ein, mit einem Besuch, Hektik und Alltag für einen Moment hinter sich zu lassen.
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 Friedhof der 32 Schulbrüder in Unterkirnach

Versteckt nahe dem einstigen Kloster Maria Tann bei der Gemeinde Unterkirnach imSchwarzwald-Baar-Kreis liegt ein tief berührendes Stück Zeitgeschichte. Der schlichte Friedhof der Brüder der christlichen Schule entfaltet eine ganz eigene, würdevolle Atmosphäre. Hinter einer niedrigen Steinmauer und einem schmiedeeisernen Gitter reihen sich 32 völlig identische Grabsteine aneinander. Sie erinnern an die Ordensbrüder, die hier einst wirkten und lebten. Ohne prunkvolle Verzierung strahlt diese kleine Anlage eine unerschütterliche Ruhe aus. Ein abgelegenes Kulturdenkmal im Grünen, das Besucher durch seine Einfachheit zutiefst bewegt und zum stillen Nachdenken einlädt. (Bild oben)

Das berühmteste Grab des Alten Friedhofs in Freiburg: das Grab der jungen Caroline Walter. Bis heute werden hier täglich von Unbekannten neue Blumen niedergelegt. Bild: FWTM Freiburg

Alter Friedhof in Freiburg

Der 1683 angelegte Alte Friedhof in Freiburg ist ein einzigartiges Natur- und Kulturdenkmal. Heute wirkt das Areal wie ein verwunschener Stadtpark, in dem barocke und neoklassizistische Grabmäler harmonisch mit mächtigen, alten Baumkronen verschmelzen. Überall entdecken Spaziergänger kunstvolle Steinmetzarbeiten vergangener Jahrhunderte. Besonders berühmt ist das geheimnisvolle Grabmal der jungen Caroline Walter: Bis heute liegen auf ihrer liegenden Steinfigur täglich frische Blumen. Dieser friedliche Ort verbindet romantische Melancholie, lebendige Stadtgeschichte und botanische Schönheit mitten im Herzen der Metropole auf unnachahmliche Weise.

Der jüdische Friedhof in Sulzburg: Ein Friedhof, der von der langen jüdischen Geschichte in dieser Region erzählt. Bild: Andreas Schwarzkopf, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Jüdischer Friedhof in Sulzburg im Markgräflerland

Am Hang des Geisskopfes mitten im dicht bestandenen Wald liegt einer der ältesten jüdischen Landfriedhöfe Badens. Über 1.100 Grabsteine aus mehreren Jahrhunderten stehen hier dicht an dicht im Schatten hoher Bäume. Die hebräischen Inschriften und die moosbewachsenen Sandsteine erzählen von der langen jüdischen Geschichte der Region. Eiun FriehofWer den stillen Waldweg zu dieser Ruhestätte hinaufsteigt, spürt sofort die besondere Würde dieses Ortes. Der Friedhof fügt sich völlig unverfälscht in die Natur ein und mahnt gleichzeitig zum Innehalten und Erinnern.

In vielerlei Hinsicht sehr beeindruckend: der Hauptfriedhof von Baden-Baden. Hier die Grabkapelle. Bild:  https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/

Der Hauptfriedhof Baden-Baden

Eingebettet in die reizvolle Topographie der Kurstadt ist der Hauptfriedhof Baden-Baden weit mehr als ein Ort des Abschieds: Er ist ein parkähnliches Kulturdenkmal von europäischem Rang. Idyllisch an bewaldete Hänge geschmiegt, verbindet er kunstvoll gestaltete historische Grabmäler, beeindruckende Mausoleen und Skulpturen mit der umgebenden Natur des Schwarzwaldes. Verwinkelte Pfade führen unter altem Baumbestand zu den Ruhestätten bedeutender Persönlichkeiten aus Kunst, Politik und Adel, die in Baden-Baden ihre letzte Heimat fanden. Die Verbindung aus erhabener Gartenarchitektur und herbstlicher Stille macht diesen Friedhof zu einem einzigartigen Ort der Einkehr.

Auf dem Alten Friedhof in Schwenningen finden sich auch die Familiengräber der die Stadt einst prägenden Uhrenfabrikanten. So wie hier das der Familie Kienzle. Bild:Dietrich Krieger, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Alte Friedhof in Schwenningen

Der Alte Friedhof in Villingen-Schwenningen ist eine grüne Historienoase im Schwenninger Stadtgebiet. 1850 angelegt, spiegelt der heute denkmalgeschützte Park die Blütezeit der Schwenninger Uhrenindustrie wider. Zwischen mächtigen Baumkronen finden sich die eindrucksvollen Familiengräber prägender Fabrikantendynastien wie Kienzle, Mauthe oder Bürk. Nach Jahrzehnten der Ruhe wird die Anlage heute wieder aktiv genutzt: Neue Urnenbeisetzungen finden naturnah im Wurzelbereich des alten Baumbestands statt. So verbindet der Friedhof sein wertvolles industriegeschichtliches Erbe harmonisch mit modernem, naturverbundenem Gedenken unter schattigen Baumkronen.

Ein wunderschöner alter Friedhof von großem denkmalgeschützten Wert: der Alte Friedhof in Waldshut. Bild: Stadt Waldshut-Tiengen.

Alter Friedhof Waldshut am Hochrhein

Direkt im Herzen von Waldshut liegt ein historisches Gesamtensemble von großem denkmalgeschütztem Wert. Der Alte Friedhof wird von einer malerischen Gottesackerkapelle aus dem 16. Jahrhundert geprägt, die dem Ort ein unverwechselbares Gesicht verleiht. Alte Steinmauerreste und historische Grabmäler säumen die schattigen Alleen. Heute dient das idyllische Areal ausschließlich für Urnenbestattungen in geschützter Umgebung. Spaziergänger schätzen die parkähnliche Ruhe abseits des städtischen Treibens. Der Friedhof bildet eine gelungene Brücke zwischen jahrhundertealter Bauhistorie am Hochrhein und einem Ort der friedvollen Einkehr mitten im Alltag

Der Eingang zum Gottesacker in Königsfeld: Hier gibt es keine Prunkgräber oder Denkmäler. Ein Friedhof, der für die Gleichheit aller Menschen im Tode steht. Bild: Günther Baumann

Der Gottesacker der Brüdergemeine in Königsfeld

Der Friedhof der Herrnhuter Brüdergemeine in Königsfeld unterscheidet sich grundlegend von allen anderen Ruhestätten der Region. Ganz nach der Tradition der Glaubensgemeinschaft gibt es hier keine Prunkgräber oder individuellen Denkmäler. Stattdessen liegen alle Verstorbenen unter völlig identischen, schlichten Liegesteinen auf einer gepflegten Rasenfläche. Getrennt nach Brüdern und Schwestern symbolisieren die Reihen die Gleichheit aller Menschen im Tode. Umgeben von einer stattlichen Lindenallee strahlt dieser schlichte Gottesacker eine bemerkenswerte Klarheit und meditative Stille aus, die jeden Besucher auf ganz besondere Weise berührt.

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