Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Adi Bachinger
Einer der mit Sicherheit meistbestaunten Utensilien im ehemaligen Kloster Alpirsbach: die einzigartige Hose aus dem Klosterfund im Jahr 1953. Auffallend: die Schamkapsel
Einer der mit Sicherheit meistbestaunten Utensilien im ehemaligen Kloster Alpirsbach: die einzigartige Hose aus dem Klosterfund im Jahr 1953. Auffallend: die Schamkapsel
Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Adi Bachinger

Schwarzwälder Rekorde: Alpirsbach und die älteste Hose Deutschlands

6. Juli 2026
Unsere Serie Schwarzwälder Rekorde sorgt weiterhin für Überraschungen – und heute haben wir einen Fund, den wohl kaum jemand auf dem Schirm hat. Im Kloster Alpirsbach wurde bei Grabungen ein Sammelsurium von Alltagsgegenständen und Kleidungsstücken aus dem 15. und 16. Jahrhundert entdeckt. Darunter befand sich ein wahres Juwel: die älteste erhaltene Hose Deutschlands. Ein Kleidungsstück, das heute zu den großen Attraktionen des ehemaligen Benediktinerklosters zählt.

Über 500 Jahre alter Fund unter Dielen

1953 stießen Restauratoren im Dormitorium des Klosters auf eine außergewöhnliche Sammlung: mehrere Kinderhemden, insgesamt 17 Lederschuhe und verschiedene Kleidungsstücke, die zeigen, was Menschen am Übergang vom Mittelalter in die Frühe Neuzeit getragen haben. Besonders elektrisierte die Experten jedoch ein Stück: eine Männerhose aus grobem Leinen, rund 500 Jahre alt und bis heute das einzige erhaltene Exemplar ihrer Art.

Auffallend: die Schamkapsel der Männerhose

Die Hose ist stark verschlissen – ein Hinweis auf die harte körperliche Arbeit ihres einstigen Trägers. Auffälligstes Merkmal ist die sogenannte Schamkapsel, eine Art fester Hosenlatz, wie er in Darstellungen zwischen 1500 und 1520 zu sehen ist und der die Männlichkeit besonders hervorheben sollte. S.Solche Strumpfhosen trugen Knechte, Henker, bäuerliches Volk und Soldaten. Die Abnutzungsspuren der Alpirsbacher Hose passen exakt zu dieser sozialen Gruppe und halfen bei der Datierung des Kleidungsstücks. Übrigens: Schamkapeln waren auch in den höheren Gesellschaftsschichten verbreitet. Auch bei Herrschern.

Zeitgenössische Darstellungen zeigen einen Kleiderstil, der der Hose ähnlich ist. Dieser Holzschnitt entstand vor 1544, zeigt einen Ausschnitt aus dem von Hans Baldung Grien stammendem Werk „Der verhexte Stallknecht, Bild: Staatliche Schlösser und Gärten, gemeinfrei

Kleidung für Bauern und Klosterschüler

Der Fund erlaubt einen seltenen Blick auf die Alltagskleidung der damaligen Zeit. Bauern trugen meist selbst gefertigte Kittel, Hosen und Bundschuhe aus Wolle oder Leinen – schlicht, robust, ohne Verzierungen. Ganz anders sah es bei den Klosterschülern aus: Sie erhielten jedes Jahr neue Kleidung, im Frühling ein Wams und Hosen aus Leinen, im Herbst zusätzlich Mantel, Hut und Schuhe. Ein Schneider besserte ihre Garderobe alle zwei Monate aus, damit die Jungen als angehende Pfarrer einen ordentlichen Eindruck machten.

Mehr als Schutz vor Kälte

Kleidung war im Mittelalter weit mehr als ein Schutz gegen Witterung. Sie zeigte die soziale Zugehörigkeit ihres Trägers. Während bäuerliche Kleidung in zurückhaltenden Farben gehalten war, trugen die höheren Stände farbenfrohe, kostbare Stoffe. Die Alpirsbacher Funde liefern daher nicht nur textile Einblicke, sondern auch wertvolle Hinweise auf das gesellschaftliche Leben der damaligen Zeit.

Für Historiker war der Fund insgesamt ein ganz besonderer Meilenstein, denn mittelalterliche Kleidung war bis dahin selten entdeckt worden und sonst nur aus zeitgenössischen Darstellungen bekannt. Dank des Fundes konnten die Experten besser nachvollziehen, wie Kleidung damals ausgesehen hatte.

Quelle: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

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