Für den NABU-Fischadlerexperten Daniel Schmidt-Rothmund ist die Lage eindeutig: Die Rückkehr der Tiere ist ein starkes Zeichen dafür, dass Artenschutz wirkt – auch wenn die Bedingungen weiterhin empfindlich bleiben.
Erfolgsgeschichte mit historischem Tiefpunkt
Dabei ist die Rückkehr alles andere als selbstverständlich. Erst 2023 gelang es Chronos und Kepler, nach über 115 Jahren erstmals wieder erfolgreich in Baden-Württemberg zu brüten. Der Fischadler ist damit aktuell der einzige Adler im Südwesten, der hier Nachwuchs aufzieht.
Historisch war die Art einst entlang von Donau, Rhein, Neckar sowie Kocher und Jagst heimisch. Doch im 19. Jahrhundert wurde sie als vermeintlicher Nahrungskonkurrent massiv verfolgt: Gelege wurden geplündert, Horstbäume gefällt – bis der Fischadler 1907 im Südwesten vollständig ausgerottet war.

Aufwendiger Schutz und starke Kooperation
Dass die Rückkehr heute überhaupt möglich ist, ist das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit. NABU-Ornithologe Dr. Daniel Schmidt-Rothmund engagiert sich seit vielen Jahren für die Wiederansiedlung – ein Projekt, das enorm viel Zeit, Energie, Geduld und auch Geld erfordert.
Mehr als 30 Nisthilfen bzw. Plattformen wurden inzwischen auf hohen Bäumen installiert. Möglich wurde das durch ein starkes Netzwerk aus Ehrenamtlichen, Spenderinnen und Spendern sowie die Unterstützung von Forst BW, Gemeinden und Privatwaldbesitzern, die ihre Flächen zur Verfügung stellen.
Zusätzlich kamen im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit der französischen Partnerorganisation LPO am Oberrhein zehn weitere Nisthilfen hinzu – beidseits des Rheins zwischen Basel und Karlsruhe.

Hoffnung auf weiteres Adlerpaar im Südwesten
Auch aktuell bleibt es spannend: Die Nestkamera zeigt zwar wegen eines technischen Defekts derzeit keine Bilder, doch die Tiere sind aktiv im Brutgeschehen. Eine Störung soll unbedingt vermieden werden – erst im Juni wird das Team wieder eingreifen, um Jungvögel zu beringen und die Technik zu reparieren.
Und es gibt noch mehr Hoffnung: Nur wenige Kilometer entfernt wurde bereits ein weiteres vorbereitetes Nest von einem Fischadler inspiziert. Die Chancen auf ein zweites Brutpaar stehen also nicht schlecht. Jetzt heißt es: abwarten – und Daumen drücken für die weitere Rückkehr der Fischadler im Südwesten.





