Gut, wir geben es zu: Schon die römischen Frauen waren mit einem „Zweiteiler“ unterwegs, der relativ viel Haut zeigte. Allerdings war dies damals keine Badekleidung – die jungen Römerinnen trugen ihn beim Sport.
Ein Pionier namens Valentin Lehr
Lange, lange war dann Funkstille. Bis um 1900, als der Freiburger Valentin Lehr eine neue, zweiteilige Bademode kreierte. Ein klein bisschen wollte Lehr damals mit seinem Badeanzug, der nur Brust und Scham bedeckte, auch gegen die Prüderie im Kaiserreich aufmucken. Lehr gehörte zu den sogenannten „Lebensreformern“. In der Körperkultur ging es ihnen darum, unter dem Eindruck von Industrialisierung und Verstädterung den Menschen wieder mehr frische Luft und Sonne zu verschaffen.
Die Verhaftung drohte
Die Begeisterung der Herrschenden über die neue Mode hielt sich allerdings in Grenzen. Wer damit am Strand erwischt wurde, wurde glatt verhaftet. Auch während der NS-Zeit blieb der Zweiteiler tabu.
Ein Franzose ließ in patentieren
In den USA ging man deutlich lockerer mit der neuen Mode um. Dort griff man die Idee des Schwarzwälders begeistert auf und entwickelte ähnliche Kreationen weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg schwappte der Trend zurück nach Europa. Der Franzose Louis Réard ließ den Bikini 1946 patentieren und benannte ihn nach dem Bikini-Atoll – wohl auch deshalb, weil die dortigen Atomtests damals in aller Munde waren. Ein durchaus makabrer Hintergrund.
Vom Skandal zum Kultobjekt
Schönheitsidole wie Brigitte Bardot oder Marilyn Monroe machten den Bikini schließlich weltberühmt. Spätestens als Ursula Andress 1962 als erstes Bondgirl im weißen Bikini aus dem Meer steigt, ist der Durchbruch perfekt. Der legendäre Bikini wurde später für 60.000 Dollar versteigert. Auch musikalisch setzte der Zweiteiler Akzente: Brian Hyland landete mit „Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini“ einen Welthit. Heute ist der Bikini längst etabliert – und zeigt oft deutlich mehr Haut, als sich sein Erfinder Valentin Lehr um 1900 wohl je hätte vorstellen können.





