Foto: Kuratorium Nationalerbe Baum
Die Käppeles-Linde in Hochmössingen: Ein Baum, der nun wirklich alle staunen lässt. Faszinierend!
Die Käppeles-Linde in Hochmössingen: Ein Baum, der nun wirklich alle staunen lässt. Faszinierend!
Foto: Kuratorium Nationalerbe Baum

Hochmössingen: Käppeles-Linde zweiter Nationalerbe-Baum im Schwarzwald

19. Mai 2026
Die Nachricht, dass die Danieltanne in Grafenhausen als 59. Nationalerbe-Baum Deutschlands gekürt wird, hat viele gefreut. Uns von Schwarzwald aktuell natürlich auch. Für uns aber auch ein Grund, an einen anderen, zweiten Baum in der Ferienregion Schwarzwald zu erinnern – die Käppeles-Linde in Hochmössingen, einem Ortsteil von Oberndorf am Neckar. Warum? Nun, auch dieser Baum darf sich mit der Bezeichnung „Nationalerbe-Baum“ schmücken. Und das sogar schon seit dem 26. September 2020.

Käppeles-Linde erster Nationerbe-Baum in BW

Die Linde in Hochmössingen wurde am 26. September 2020 feierlich zum deutschlandweit 5. Nationalerbe-Baum ausgerufen. In Baden-Württemberg war die Käppeles-Linde der erste Baum überhgaupt, der diese Auszeichnung erhielt. 2026 werden es dann mit der Danieltanne sieben Bäume im Ländle sein. Fünf davon befinden sich außerhalb der Ferienregion Schwarzwald.

Doch lasst uns jetzt einen näheren Blick auf die Käppeles-Linde werfen. Der Baum ist nämlich eine echte Sensation und nicht von ungefähr einer der ersten, der sich diese Auszeichnung abholen konnte.

Kaum zu glauben, aber wahr: In die Höhlung passt tatsächlich eine ganze Schulklasse mit etwa 20 Kindern hinein.

Ein Baum wie aus einer anderen Zeit

Mit rund 7,90 Metern Stammumfang gehört die „Käppeles-Linde“ zu den stärksten Linden Deutschlands. Geschätzt wird ihr Alter auf etwa 600 Jahre, manche Experten halten sogar 800 Jahre für möglich, halten ihn für den möglicherweise ältesten Baum Baden-Württembergs. Und genau das macht ihn so faszinierend: Niemand weiß es ganz genau. Um das Alter exakt zu bestimmen, müsste man den Baum anbohren und die Jahrringe untersuchen. Doch das möchte man diesem Naturdenkmal verständlicherweise ersparen.

Schon der Standort ist außergewöhnlich. Die Linde steht auf einer kleinen Geländeerhebung zwischen zwei Dorfstraßen direkt bei der Agatha-Kapelle. In der Nähe wurden sogar keltische Gräberfelder entdeckt. Möglich also, dass dieser Platz schon in vorchristlicher Zeit eine besondere Bedeutung hatte.

Der hohle Stamm sorgt für Staunen

Stolze 18 Meter ist die Krone der Käppeles-Linde hoch und der Baum ist trotz des hohen Alters insgesamt noch richtig gut drauf. Der Umfang beträgt stolze 7,90 m in 1,4 m Stammhöhe.

Wer vor der Käppeles-Linde steht, versteht schnell, warum dieser Baum Menschen seit Jahrhunderten beeindruckt. Der Stamm ist innen komplett hohl – und trotzdem trägt er noch immer eine mächtige Krone. Der „Eingang“ in den Baum erinnert mit seiner Form fast an ein gotisches Kirchenportal. Rund 1,50 Meter hoch ist die Öffnung, dazu kommen mehrere „Fenster“ im Stamm, durch die man hinausblicken kann.

Und ja: In die Höhlung passt tatsächlich eine ganze Schulklasse mit etwa 20 Kindern hinein. Wer darin steht und nach oben blickt, schaut wie durch einen Kamin direkt in die Baumkrone oder im Winter sogar in den Himmel.

Schon im 19. Jahrhundert bestaunt

Dass die Linde schon früher eine Attraktion war, zeigen alte Berichte. Bereits 1868 wurde sie als „uralt, ganz hohl und von den Stürmen halb zerschlagen“ beschrieben. Der irische Schriftsteller James Henry erwähnte den Baum 1859 in seinen Reiseaufzeichnungen von Karlsruhe nach Italien.

Im Dreißigjährigen Krieg sollen rund um die Linde sogar Kämpfe stattgefunden haben. Die benachbarte Kapelle brannte damals vollständig nieder und blieb jahrzehntelang zerstört. Die Linde aber überlebte.

Ein Wunder der Natur

Noch ein Extrem vom „Wunderbaum“: Wer im Stamm steht und nach oben blickt, schaut wie durch einen Kamin direkt in die Baumkrone oder im Winter sogar in den Himmel

Fast noch erstaunlicher ist der Zustand des Baumes heute. Trotz des hohlen Stammes wirkt die Käppeles-Linde erstaunlich vital. Neue Blätter, neue Triebe, neue Wurzeln – Jahr für Jahr zeigt der uralte Baum neue Lebenskraft. Zwar mussten Äste gesichert und abgestützt werden, doch Experten bescheinigen der Linde bis heute einen guten Pflegezustand.

Dabei hätte ihre Geschichte beinahe ein trauriges Ende genommen. Bereits in den 1960er Jahren sollte der Baum wegen Sicherheitsbedenken gefällt werden. Zum Glück kam es anders. Heute gilt die Käppeles-Linde als eines der eindrucksvollsten Naturdenkmäler Deutschlands – und als echter Methusalem des Schwarzwalds.

Kuratorium macht sich für Erhalt der Bäume stark

Dass es überhaupt Nationalerbe-Bäume in Deutschlands gibt, haben wir dem Kuratorium Nationalerbe-Bäume. zu verdanken, das sich mit großem Einsatz und jeder Menge Herzblut für den Erhalt außergewöhnlicher Bäume stark macht. Die Zeit sei reif, (potenzielle) Uralt-Bäume zu schützen und ggf. zu pflegen, um ihnen damit langfristig ein „Altern in Würde“ zu ermögli­chen. Es gebe in Deutschland zu wenige wirklich alte Bäume, womöglich keinen einzigen über 1000 Jahre. Die Initiative: „Wir haben für solche alten Bäume eine hohe Verantwortung, sie sind ein wichtiger Lebensraum und wir müssen alles daran setzen, sie der Nachwelt zu erhalten.“

100 Bäume sollen es werden

Daher sollen für 100 ausgewählte potenzielle zukünftige Uralt-Bäume mit der neuen Kategorie Nationalerbe-Baum und der damit verbundenen stärkeren Beachtung und Förderung sowie sensibler Pflege verbesserte Bedingungen für das hohe Alter geschaffen werden. Mit der Danieltanne in Grafenhausen ist man bei der Nummer 69 angelangt.

Die wesentlichen Informationen für diesen Bericht verdanken wir einem Artikel von Andreas Rolof von der TU Dresden. Alle Informationen rund um das Kuratorium und seine Arbeit – u.a. mit der Beschreibung aller bisherigen Nationalerbe-Bäume in Deutschland – findet ihr unter //nationalerbe-baeume.de/

Dort könnt ihr euch übrigens auch melden, wenn er glaubt, einen Baum zu kennen, der es in die Kategorie Nationalerbe-Bäume schaffen könnte.

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