Auch Senderstorch „Mathilde“ ist zurück: Sie überwinterte in Marokko, startete dort am 8. Januar und besetzt seit Anfang Februar wieder ihren Horst in Willstätt. Wie diese beiden kehren derzeit viele Weißstörche zur Brutsaison in den Südwesten zurück.
Freude über jeden Storch der zurückkehrt
Trotz Frost, Schnee und Glatteis sind seit den ersten Februarwochen wieder Störche auf ihren Horsten zu sehen. In diesem Jahr ist die Freude darüber besonders groß — und zugleich von Sorge begleitet.
„Im Herbst grassierte unter Zugvögeln die Vogelgrippe in Spanien und Frankreich, wo viele Störche die Wintermonate verbringen“, sagt Stefan Bosch, Vogelschutzexperte beim NABU. Ob alle Tiere überlebt haben, ist noch unklar. „Wir können erst im Lauf der Brutsaison Bilanz ziehen, ob genügend weitere Störche zurück sind“, so Bosch.
Verändertes Zugverhalten
Das hängt auch mit einem veränderten Zugverhalten zusammen. Zu den frühen Rückkehrern zählen vor allem Störche, die in Spanien oder Südfrankreich überwintern. „Viele Störche versorgen sich da den Winter über auf den Müllkippen mit Nahrung. Von dort benötigen sie nur etwa eine gute Woche ohne lange Zwischenstopps, um ihre Brutgebiete zu erreichen“, sagt Bosch. Den langen Flug bis nach Nordafrika können sich viele Tiere inzwischen sparen — das begünstigt eine frühere Heimkehr.
Üblicherweise treffen die Männchen früher ein als die Weibchen. „Meist haben die Storchenmännchen die Schnabelspitze vorn und kommen vor den Weibchen an, um sich einen Nistplatz zu sichern“, berichtet Bosch.
Viele Störche inzwischen das ganze Jahr da
Daneben gibt es inzwischen auch mehrere hundert sogenannte Winterstörche, die ganzjährig in Deutschland bleiben. Die milderen Winter ermöglichen es ihnen, ausreichend Nahrung wie Mäuse, Schnecken, Würmer oder Fische zu finden. Kälte allein stellt kein Problem dar, erklärt NABU-Storchenfachmann Stefan Eisenbarth — das Federkleid isoliert ausreichend.

Was Störche jetzt brauchen
„Das Wichtigste sind geeignete Nahrungshabitate, in denen sie genügend Futter für sich und ihre Jungen finden. Und das Wetter muss mitspielen, damit die Aufzucht der Jungvögel optimal verläuft“, berichtet Ornithologe Eisenbarth. Dauerregen könne für die Küken lebensgefährlich sein, da sie leicht auskühlen.
Störche bleiben ihrem Horst in der Regel treu und beginnen nach der Rückkehr sofort mit Ausbesserungsarbeiten. Für eine erfolgreiche Brut sind vor allem geeignete Nahrungshabitate entscheidend.
Bitte um Toleranz gegenüber dem Weißstorch
Als Kulturfolger brütet der Weißstorch traditionell in der Nähe des Menschen. Dabei kommt es immer wieder zu Konflikten wegen Kot oder Geräuschen. Mitunter werden Horste entfernt — teilweise auch mit behördlicher Genehmigung.
Doch das löst das Problem laut Experten nicht dauerhaft. Gelöst ist die Geschichte dadurch allerdings nicht. „“Der Storch baut entweder erneut am gleichen Platz oder sucht sich einen neuen, der vielleicht noch ungeschickter erscheint“, so Eisenbarth. Der NABU wirbt daher um mehr Toleranz im Zusammenleben mit dem markanten Vogel — besonders in einem Jahr, in dem noch ungewiss ist, wie viele Tiere nach den Vogelgrippe-Ausbrüchen überhaupt zurückkehren.





