Foto: Wikipedia gemeinfrei
Cornelia Goethe um 1770, Zeichnung von Johann Ludwig Ernst Morgenstern
Cornelia Goethe um 1770, Zeichnung von Johann Ludwig Ernst Morgenstern
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Zeitreise: Warum Goethes Schwester 1774 nach Emmendingen zog

10. Dezember 2025
In dieser Woche jährte sich am 7. Dezember ein ganz besonderer Tag: An diesem Tag wurde 1750 – also vor genau 275 Jahren - in Frankfurt Cornelia Friederica Goethe, die Schwester von Johann Wolfgang von Goethe, geboren. 1776, also nur 26 Jahre später, starb sie in Emmendingen. Ihr Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof der Stadt. Sie war 1774 nach ihrer Heirat nach Emmendingen gezogen.

Die Eltern des eineinhalb Jahre älteren Johann Wolfgang und seiner Schwester Cornelia Friederica legten Wert darauf, dass ihre beiden überlebenden Kinder eine gute Ausbildung erhielten. Zu den Unterrichtsfächern zählten Sprachen, aber auch Recht, Mathematik und Geographie, ferner Fechten und Reiten sowie musische Fächer.

Cornelia: äußerst intelligent und begabt

Wie aus Bemerkungen des Bruders hervorgeht, war Cornelia äußerst intelligent und begabt. 1767 schrieb er ihr: „Ich bin hingerissen von Deinem Brief, Deinen Schriften, Deiner Art zu denken … Ich sehe einen reifen Geist … eine fremde Person, einen Autor, von dem ich selbst ietzo lernen kann … Oh, meine Schwester, bitte keine solchen Briefe mehr, oder ich schweige … Ich gestehe Dir’s, meine ganze Kunst wäre nicht imstande, eine Szene zu schreiben, wie sie Dir die Natur eingegeben hat.“

Familie Goethe in Schäfertracht auf einem Gemälde von Johann Conrad Seekatz (1762). Cornelia ganz rechts

Cornelia und ihr Bruder verband die Begeisterung für Literatur. Mit dem Erwachsenenalter änderten sich die Zukunftsperspektiven der Geschwister. Cornelia blieb in Frankfurt und sah der unausweichlichen Eheschließung entgegen, während der Bruder studierte. Dieser erkannte zwar das Potenzial seiner Schwester, verharrte ihr gegenüber jedoch in konservativen Vorstellungen.

Eifersüchtiger Goethe

Als Cornelia im November 1773 den Juristen und Schriftsteller Johann Georg Schlosser heiratete, zog er sich eifersüchtig zurück. Schlosser, der eine Stelle als markgräflich-badischer Hof- und Regierungsrat in Karlsruhe erhielt, wurde 1774 Oberamtmann der badischen Markgrafschaft Hochberg mit Sitz in Emmendingen.

In Emmendingen vereinsamt

Schon bald stellte sich heraus, dass auch Schlossers aufgeklärte Haltung an der ehelichen Haustür endete. Die gebildete und selbstständige Cornelia vereinsamte im provinziellen Emmendingen und erkrankte. 1774 und 1777 wurden die beiden Töchter geboren. Noch geschwächt von der ersten Entbindung, starb sie am 8. Juni 1777, vier Wochen nach der zweiten Geburt, im Alter von 26 Jahren.

Eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse ihrer schriftstellerischen Begabung ist das geheime Brieftagebuch „Correspondance Secrète“ mit der Freundin Katharina Fabricius aus den Jahren 1767 bis 1769. Die Beschreibungen der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse vermitteln einen Eindruck von der mangelnden Wertschätzung gegenüber Frauen mit geistigem und ästhetischem Profil.

Cornelia Goethe ist Namenspatronin des international ausgerichteten Centrums für Geschlechterforschung (CGC) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Cornelia Schlossers Grab auf dem Alten Friedhof in Emmendingen. Bild: Andreas SchwarzkopfCC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Goethe war zweimal in Emmendingen

Goethe selbst besuchte Emmendingen zweimal in seinem Leben: das erste Mal im Jahr 1775, um seine Schwester und ihren Ehemann zu besuchen, und das zweite Mal 1779, um ihr Grab zu sehen.

Auf den Spuren von Cornelia

Das Grab von Goethes Schwester auf dem Alten Friedhof ist bis heute erhalten. Sie können es also besuchen. Und noch ein Tipp: Besuchen Sie die heutige Stadtbibliothek Emmendingen in der Ladvogtei 8. Nicht unbedingt deshalb, weil es dort Bücher von und über Goethe gibt – sondern weil die Stadtbibliothek in dem Haus untergebracht ist, das einst das Wohnhaus von Cornelia und ihrem Mann war.

Info: Der Artikel hat im Wesentlichen einen Beitrag von www.facebook.com/LEOBW2012/?locale=de_DE als Grundlage und wurde durch weitere Informationen von Schwarzwald aktuell ergänzt. Die Seiten von www.leo-bw.de sind übrigens eine wahre Fundgrube für Geschichtsinteressierte. Sehr empfehlenswert!

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