Schwarzwald aktuell
Foto: Naturgarten Kaiserstuhl
Wandern auf dem Rebhislirundweg bei Gottenheim.
Wandern auf dem Rebhislirundweg bei Gottenheim.
Foto: Naturgarten Kaiserstuhl

Weinberge: Rettet die Rebhisli

April 9, 2021

Es gibt sie in den Weinbergen des Markgräflerlands, am Kaiserstuhl, am Tuniberg, im Breisgau genauso wie in denen der Ortenau. Die Rede ist von den Rebhäusle oder Rebhisli. Beredte Zeugnisse für die Geschichte unserer Weinberge. Doch es werden immer weniger. Dabei lohnt es sich die urigen Hütten zu erhalten. Als Kulturgut, aber auch als unverzichtbare Nisthilfe für Vögel.

Inzwischen rücken die Rebhisli verstärkt in den Blickpunkt. Natur- und Umweltorganisationen wie der NABU oder der BUND machen sich für deren Erhalt stark und auch der Schwarzwaldverein hat erst in jüngster Vergangenheit gefordert, die kleinen Hütten zu erhalten. Man ließ es nicht beim Appell, sondern Mitglieder des Vereins retteten ehrenamtlich am Kaiserstuhl eine der Hütten vor dem weiteren Verfall.

Am Tuniberg ist es vor allem ein Projekt, das sich massiv für den Erhalt der Rebhüsli stark macht: das NABU-Wiedehopfprojekt. Was der Wiedehopf mit den Rebhisli zu tun hat? Nun, sie bieten dem Vogel die Nistmöglichkeiten, die er braucht. Dies gilt übrigens nicht nur für den Wiedehopf, sondern für viele weitere Höhlenbrüter, aber auch andere Vogelarten.

Leiter des Wiedehofprojekts ist Claus. G. Krieger. In einem Beitrag betont er, dass Generationen von Winzern und Landwirten vor der ökonomisch notwendigen Flurbereinigung in den 60er-Jahren im Tuniberg ihre Rebhäuschen sehr zu schätzen gewusst hätten. Krieger: „Es machte Sinn, sie zu bauen, da die Wege nach Hause oft zu weit waren, um zu pausieren und sich etwas zu holen. In ihnen wurden Gerätschaften gelagert, Regenwasser in Zisternen gesammelt. Sie boten Schutz vor Wind und Wetter und einen Ort zum Vespern und „Schwätzen“.

Krieger verweist darauf, die wenigen „Rebhüsli“, die glücklicher Weise nach 1970 noch übriggeblieben seien, zunehmend dem Verfall preisgegeben oder abgerissen würden, weil sie im Wege stehen oder unnütz erscheinen würden. Der Projektleiter: „Dabei bieten gerade sie Unterschlupf für vielerlei Vögel, die früher am Tuniberg heimisch waren und nun auf der Liste der gefährdeten Tiere stehen. Es sind zumeist Höhlenbrüter, die nach dem Verschwinden der Streuobstwiesen, der alten Busch- und Baumbestände kaum noch natürliche Nisthöhlen finden. Viele von ihnen ernähren sich von „Schadinsekten“ und leisten daher einen wertvollen Beitrag zur „Biologischen Schädlingsbekämpfung“ wie z.B. Gartenrotschwanz, Wendehals, Wiedehopf, Steinkauz, Spechte, Meisen und andere Höhlenbrüter.“ Sie seien aber auf Nisthöhlen angewiesen. Es seien die Rebhäuschen und Trockenmauern mit ihren Schlupflöchern, die diesen Vogelarten die Möglichkeit bieten würden, ihrem Brutgeschäft nachzukommen.

Erfolgsgeschichte Wiedehopf

Krieger verweist in diesem Zusammenhang auf Naturschutzprojekte des NABUs und des BUNDs, mit denen man versuche, mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern die gefährdeten Vögel wieder im Tuniberg heimisch zu machen. Dies mit Erfolg: So sei beispielsweise 1990 das Wiedehopfprojekt ins Leben gerufen worden. Inzwischen seien 60 Nisthilfen in einem Teil der noch verbliebenen Rebhäuschen aufgehängt worden. Das mit Erfolg. 2009 bezog die erste „Wiedehopf-Familie“ ein Rebhisli auf der Gemarkung von Merdingen. Seitdem ist die Zahl der Wiedehopfe wieder auf durchschnittlich 130 Vögel pro Jahr angestiegen, sodass man wieder von einer Wiedehopfpopulation am Tuniberg reden kann.

Krieger erinnert allerdings auch daran, dass trotz aller Bemühungen um den Erhalt der Rebhäuschen ihre Zahl von Jahr zu Jahr zurückgehe. Krieger: „Schwinden die Rebhäuschen, schwinden auch die Brutchancen der Vögel. Und nicht nur dass, es geht auch ein weiteres Landschafts-Kulturerbe verloren. Dabei sind es gerade die „Rebhüsli“, wie auch die Trockenmauern, die erhalten werden sollten. Ist doch so gut wie nichts im Tuniberg übriggeblieben, was von der traditionellen Mühsal der körperlichen Arbeit im Gelände und der liebevollen landpflegerischen Tätigkeit der älteren Familiengenerationen erzählen kann.“

Krieger: „Rebhisli denkmalwürdig“

Krieger will jetzt einen Antrag beim Regierungspräsidium einreichen, indem er fordert, die Rebhäuschen als denkmalwürdig anzuerkennen. Es seien Zeitzeugen, die für eine Nutzungspraxis in einer Epoche zwischen 1850 bis 1960 stehen würden. Da die Rebhisli dem Verfall und der „Schleifung“ preisgegeben seien, sollte möglichst jetzt ein Bewusstsein geweckt werden, damit zum einen Erhaltungsmaßnahmen passieren und zum anderen eine Auswahl von erhaltenswerten „Vorzeigehäuschen“ getroffen wird.

Vogelschutzgebiet Kaiserstuhl

Aber es ist nicht nur der Tuniberg, auch in den anderen Weinbaugebieten sind die Zahlen rückläufig. Zum Beispiel am Kaiserstuhl. Der Schwarzwaldverein erinnert daran, dass der Kaiserstuhl nicht nur ein berühmtes Weinbaugebiet sei, sondern seit 2007 auch eines der 5.500 Europäischen Vogelschutzgebiete. Er sei das bedeutendste Brutgebiet für Bienenfresser, Schwarzkehlchen und Wiedehopf in Baden-Württemberg und eines der wichtigsten Brutgebiete für Baum-, Wanderfalke, Wendehals und Zaunammer.

Dieser Schutzstatus erfordere verschiedenste Maßnahmen zum Erhalt gefährdeter Vogelarten und deren Lebensräume. Dazu gehöre auch der Erhalt der Rebhüsli. Wie dramatisch deren Rückgang ist, zeigt der Schwarzwaldverein am Beispiel Ihringen. Hier habe es in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts vermutlich noch 800 bis 1000 Hüsli gegeben. Heute seien vielleicht noch 150 bis 200.

Auch touristisch interessant

Die Rebhüsli haben allerdings auch einen ganz konkreten Freizeitwert. In so manchen Weinbergen Badens gibt es sogar ausgeschilderte Rebhüsli-Wanderungen und an manchen Tagen kann man bei ihnen sogar einkehren. Ein Bespiel dafür ist Gottenheim am Tuniberg, wo jeweils an Christi Himmelfahrt einige dieser Holzhüttchen bewirtschaftet werden und man so Weinproben und eine Vesper genießen kann. Immer ein ganz besonderes Erlebnis!

 

 

 

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