Foto: www.facebook.com/NarrozunftV/
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Warum Villingen in der Heiligen Nacht seit 1765 den Kuhreihen bläst

20. Dezember 2025
2025 jährt sich ein besonderes Gelübde zum 260. Mal: In größter Not versprachen die Bürger von Villingen im Jahr 1765, den in der Heiligen Nacht den Kuhreihen zu blasen. Auch in diesem Jahr werden nach der Christmette wieder zahlreiche Menschen in der Altstadt dabei sein, wenn dieses historische Versprechen erfüllt wird – ein Brauch, der bis heute für eine besondere, magische Stimmung in der Weihnachtsnacht sorgt.

Im Jahr 1765 grassierte in Villingen eine schwere Viehseuche. Die Sorge war groß, denn der Verlust des gesamten Viehbestands hätte für viele Familien existenzielle Folgen gehabt. In der Nähe des Gottesackers wurden kurzfristig Notställe errichtet. Entgegen aller Befürchtungen konnte die Ausbreitung der Seuche gestoppt und der Schaden begrenzt werden.

Dank für Abwendung einer Viehseuche

Aus Dank für die Abwendung der Gefahr gelobten die Villinger, „im Vertrauen auf die Heilskraft der Engelsworte ‚Fürchtet euch nicht‘“ den Kuhreihen jedes Jahr in der Heiligen Nacht zu blasen. Der Heimatforscher Josef Liebermann beschrieb dieses Versprechen Mitte des 20. Jahrhunderts als heiliges Vermächtnis, das bis heute gepflegt wird.

Einmalig im Schwarzwald

Der Villinger Kuhreihen ist einzigartig im Schwarzwald. Jahr für Jahr zieht der Herter nach der Christmette ab 23 Uhr mit seinem rund eineinhalb Meter langen Horn, begleitet von der Stadt- und Bürgerwehrmusik, durch die Straßen der Zähringerstadt. Viele Menschen folgen dem Zug oder warten an festen Punkten entlang der Route.

Der Abschluss findet traditionell um Mitternacht auf dem Marktplatz statt. Dort erklingt das Herterhorn ein letztes Mal. Mit dem gemeinsamen Lied „Stille Nacht“ und dem Geläut der Münsterglocken endet der Kuhreihen. Auch 2024 wird das wieder so sein.

Kuhreihen war ein Signalruf

Ursprünglich war der Kuhreihen ein Signalruf. Er wurde beim Aus- und Abtrieb des Viehs geblasen und diente der Verständigung zwischen Hirten. Im Laufe der Zeit entstanden dazu verschiedene Verse, wie etwa dieser zum Viehaustrieb:

„Loset ihr Küehli, ihr Stierli,
De Herter blost’s Hoern,
Blost’s hinne, blost’s voern,
‚S Väah will zum Grase
Nus uf de Wase:
Wudli,wudli,wudli,wudli,
Rus us em Stal,
Kummet ihr Küehli, ihr Stierli.“

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