Foto: julianpictures – stock.adobe.com
Die Schwarzwaldbahn ist nicht nur eine der beliebtesten Bahnstrecken der DB, sondern wohl wegen Baufehlern bei millionenschweren Sanierungsarbeiten auch eines ihrer Sorgenkinder
Die Schwarzwaldbahn ist nicht nur eine der beliebtesten Bahnstrecken der DB, sondern wohl wegen Baufehlern bei millionenschweren Sanierungsarbeiten auch eines ihrer Sorgenkinder
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Schwarzwaldbahn: Millionen bei Sanierung in den Sand gesetzt?

29. Juni 2022
So etwas nennt man Flop! Nur wenige Monate nach Abschluss der 47 Millionen teuren Sanierungsarbeiten im vergangenen Jahr stellt die Bahn auf dem Herzstück der Schwarzwaldbahn zwischen Hausach und St. Georgen ab dem 30. Juni den Zugverkehr wieder ein. Stattdessen wird ein Busverkehr eingerichtet.

Dass das ganze jetzt zu Zeiten des 9-Euro-Tickets passiert, in der es einen Riesen-Ansturm auf die Bahn gibt, macht die ganze Geschichte noch ärgerlicher. Und noch viel ärgerlicher, ja skandalös, wäre es, wenn sich der Verdacht für die Zugausfälle bestätigen würden: Pfusch bei Sanierungsarbeiten. Doch der Reihe nach.

Seit einiger Zeit stellt die Bahn bei ihren auf der Schwarzwaldbahn eingesetzten Doppelstockfahrzeugen einen starken Verschleiß an den Rädern fest. So wurden neben den Gleisen immer wieder von den Zugrädern abgehobelte Metallspäne gefunden. Die Folge: Die Züge mussten gleich reihenweise in die Werkstatt, der Bahn ging das Zugmaterial für die Strecke aus. Die in Freiburg erscheinende Badische Zeitung (BZ) zitiert in diesem Zusammenhang einen Insider, der von einem ganzen Friedhof von Wagen spricht, „die neue Achsen brauchen.“

Schienen falsch verlegt?

Der Experte glaubt laut dem Bericht auch den Grund für die Probleme zu kennen. Die Schienen, für die kurvenreiche Strecke seien bei den Arbeiten falsch verlegt worden: „Wahrscheinlich zu eng“. Bei der Bahn spricht man hingegen noch von einer nicht geklärten Ursache, sieht sich aber dazu gezwungen den Zugverkehr einzustellen. Dies geschieht, nachdem verschiedene andere Maßnahmen den Verschleiß in den Griff zu bekommen, nicht den erhofften Erfolg gebracht haben.

Bahn zieht „Notbremse“

Die Ziehung der „Notbremse“ liest sich in einer Pressemitteilung wie folgt: „Die Deutsche Bahn (DB) fährt ab Donnerstag, 30. Juni 2022, auf der Schwarzwaldbahn Karlsruhe–Konstanz im Streckenabschnitt zwischen Hausach und St. Georgen Busse statt Züge. Die DB reagiert damit auf Ergebnisse weiterer Untersuchungen an den Rädern der auf der Schwarzwaldbahn eingesetzten Doppelstockfahrzeuge. Bis eine Lösung gefunden ist, setzt die DB diese Fahrzeuge auf der kurvenreichen Schwarzwaldstrecke nicht ein.“ Damit stellt sie eine Abnutzung an den Rädern der verbleibenden Fahrzeuge auf einem normalen Niveau für weitere Einsätze sicher.

Schienenersatzverkehr

Die Bahn betont, dass sie durch den Einsatz der Busse zwischen Karlsruhe und Hausach sowie zwischen St. Georgen und Konstanz einen geregelten stündlichen Verkehr mit Regionalexpress-Zügen (RE) anbieten werde können. Die stündlichen Zugpendel zwischen Karlsruhe und Hausach sowie zwischen St. Georgen und Konstanz starten ab 30. Juni.

Zwischen Hausach und St. Georgen setzt die DB im Anschluss an jede Zugfahrt bis auf Weiteres Busse ein. Die Busse fahren über Hornberg und Triberg. Zwischen 6 und 18 Uhr setzt DB Regio zusätzlich stündlich Direktbusse ohne Unterwegshalt ein. Wegen der längeren Fahrzeit der Busse verlängern sich die über den Abschnitt Hausach–St. Georgen hinausgehenden Reisezeiten um jeweils bis zu 60 Minuten. Dies dürfte natürlich in aller Regel Auswirkungen auf die bisherigen Zuganschlüsse vor allem in Offenburg haben.

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Die für Pendler und Schüler wichtigen Verbindungen von Konstanz (ab 4.51 Uhr) nach Offenburg (an 7.21 Uhr) und von Offenburg (ab 5.23 Uhr) nach Konstanz (an 8.10 Uhr) bietet die DB Regio weiter durchgängig mit RE-Zügen an. Dies sei, so versichert man bei der Bahn völlig ungefährlich. Es gehe lediglich darum, den Verschleiß so gering wie möglich zu halten.

Berühmt im ganzen Land: die Schwarzwaldbahn

Die Schwarzwaldbahn wurde zwischen Offenburg und Villingen von 1865 bis 1873 unter der Leitung von Robert Gerwig gebaut. Der Streckenabschnitt der Gebirgsbahn zwischen Hausach und St. Georgen, auf der es jetzt die Probleme gibt, ist das Herzstück der Schwarzwaldbahn. Für viele sind diese 38 Kilometer nicht nur ein Meisterwerk des Bahnbaus, sondern sogar die schönste Bahnstrecke Deutschlands. Auf diesem Abschnitt führt die Bahn durch sage und schreibe 37 Tunnel und überwindet zwischen Hausach und St. Georgen 591 Schwarzwald-Höhenmeter. Ein Meilenstein war die Elektrifizierung in den Jahren 1972-1977. Die Schwarzwaldbahn gehört zu den schönsten und berühmtesten Bahnstrecken Deutschlands. Jetzt scheint sie auch noch eines ihrer großen Sorgenkinder zu werden. Gerade auch viele Touristen haben eine Fahrt mit der Bahn in diesem Abschnitt eigentlich fest in ihrem Urlaubsprogramm. Im Moment geht da leider nichts. Ab wann es wieder geht? Wer soll das wissen, wenn‘s nicht einmal die Bahn weiß.

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