Nicht wenige erinnerten dabei an ein weiteres großes Winterunglück im Schwarzwald: Jenes am Schauinsland, bei dem fünf Schüler aus England ums Leben kamen und das als „Engländerunglück“ in die Geschichte einging. In diesem Jahr jährt sich der tragische Tag am 17. April zum 90. Mal. Damals wurde der Schwarzwald für Jugendliche zur weißen Hölle. Hier erfahrt ihr, was sich an diesem verhängnisvollen Tag ereignet hat.
Eine Bergtour mit fatalem Ausgang
Es war der Freitag vor dem Weißen Sonntag, als sich eine aus 27 Schülern im Alter von 12 bis 17 Jahren bestehende Klasse eines Londoner Gymnasiums morgens um 9 Uhr gemeinsam mit ihrem 27-jährigen Lehrer Kenneth Keast zu einer Bergtour aufmachte. Sie sollte einer der Höhepunkte ihres zehntägigen Schwarzwaldaufenthalts werden.
Vor der Gruppe lagen rund 20 Kilometer Wegstrecke und 1000 Höhenmeter. Die Tour sollte von der Jugendherberge Peterhof in Freiburg über den Schauinsland zur Jugendherberge Radschert in Todtnauberg führen. Der Freiburger Herbergsvater versuchte noch vergeblich, den Lehrer vom Aufbruch abzubringen, und warnte eindringlich vor einem bevorstehenden Wintereinbruch. Obwohl es bereits zu schneien begonnen hatte, brach die Gruppe auf. Deren Ausrüstung war völlig ungeeignet. Von der Kleidung angefangen – teils kniefrei, ohne Kopfbedeckung und nur mit Halbschuhen – bis hin zum Proviant. Jeder hatte lediglich zwei Brötchen und eine Orange dabei.
Lehrer schlug Warnungen in den Wind
Mehrfach wurden die Schüler unterwegs von Einheimischen aufgefordert, umzukehren. Vergeblich. Auch das Angebot eines Postboten, die Gruppe zumindest bis nach Kappel zu begleiten, lehnte der Lehrer ab. Die Tour sollte nicht abgebrochen werden. Immer weiter, immer weiter ging es bergan. Doch die Bedingungen verschlechterten sich zusehends. Die Kälte nahm zu, ein starker Sturm kam auf, der Neuschnee türmte sich stellenweise über einen Meter hoch. Dichter Nebel zog auf, die Dunkelheit brach herein. Die Lage der Gruppe wurde immer prekärer.
Im Schneesturm und Nebel verirrt
Am östlichen Kamm des Schauinslands verlor die Klasse schließlich völlig die Orientierung und irrte hilflos umher. Dabei hätte ein Abstieg nach Westen ohne größere Schwierigkeiten zur Bergstation der Schauinslandbahn und damit in Sicherheit führen können. Zu diesem Zeitpunkt waren einige Schüler bereits so erschöpft, dass sie getragen werden mussten.
Das Läuten der Kirchenglocken
Gegen 18.30 Uhr drang plötzlich das abendliche Läuten der Kirchenglocken von Hofsgrund durch Sturm und Schneetreiben. Der Klang wies die Richtung ins Tal. Die Schüler, die noch Kraft hatten, folgten ihm. Unterhalb von 1100 Metern lichtete sich der Nebel, erste Lichter des Schwarzwalddorfs wurden sichtbar.
Auf dem Weg dorthin erreichten die ersten gegen 20 Uhr den Dobelhof. Als sie berichteten, dass sich noch weitere Mitschüler draußen im Schnee befänden, machten sich alle in Hofsgrund verfügbaren Männer sofort mit Skiern auf den Weg. Sie kämpften sich nachts in einem lebensgefährlichen Einsatz durch mannshohe Schneewehen.
Die Retter aus Hofsgrund
Nach und nach gelangten 15 Schüler aus eigener Kraft nach Hofsgrund. Andere blieben bei bewusstlos im Schnee zusammengebrochenen Schulkameraden, hielten Wache und machten durch Hilferufe auf sich aufmerksam. Lehrer Keast selbst harrte bei zwei bewusstlosen Schülern aus. Die Geretteten wurden mit Hornschlitten ins Dorf gebracht und ärztlich versorgt. Gegen 23.30 Uhr war der Rettungseinsatz beendet. Wären die Retter aus dem kleinen Dorf Hofsgrund nicht gewesen, hätte die Katastrophe mit Sicherheit ein noch weit größeres Ausmaß angenommen. Für fünf junge Menschen indes kam trotz des großen Einsatzes jede Hilfe zu spät.
Im Nachhinein spielte das Unglück auch noch in der Propaganamaschinerie der Nationalsozialisten eine bedeutende Rolle. Es entstanden Bilder, die um die Welt gingen. Zum Beispiel von einem großen Trauerzug durch Freiburg oder von Ehrenwachen, die die Hitlerjugend an den Särgen abhielt. Auch der Führer ließ einen Kranz niederlegen, was in London sehr positiv aufgenommn wurde. Auf der Strecke blieb die Wahrheit über die Gründe, die zu dem Unglück führten. So wurde zum Beipiel der Lehrer, der alle Warnungen in den Wind schlug nie belangt.
Zweitgrößtes Schneeunglück im Schwarzwald
Das Drama am Schauinsland gilt als das zweitgrößte Schneeunglück im Schwarzwald. Noch mehr Todesopfer forderte lediglich eine Lawinenkatastrophe am 24. Februar 1844 in Neukirch bei Furtwangen, als 17 Menschen ums Leben kamen, nachdem eine Lawine einen Bauernhof unter sich begrub.
Einen herausragenden Bericht über das Unglück am Schauinsland könnt ihr unter hainmueller.de lesen.






