Foto: Baiersbronn Touristik/Ulrike Klumpp (Beide Fotos)
Thomas Faißt sorgt dafür, dass das traditionsreiche Handwerk des Köhlers im Schwarzwald nicht gänzlich in Vergessenheit gerät.
Thomas Faißt sorgt dafür, dass das traditionsreiche Handwerk des Köhlers im Schwarzwald nicht gänzlich in Vergessenheit gerät.
Foto: Baiersbronn Touristik/Ulrike Klumpp (Beide Fotos)

Baiersbronn: Der Köhler und sein Kohlenmeiler

13. Juli 2022
Vor rund 150 Jahren kokelte es im Schwarzwald noch fast überall. Heute ist die Köhlerei fast ausgestorben. Dass sie nicht gänzlich der Vergangenheit angehört, haben wir Menschen wie Thomas Faißt zu verdanken, einem der letzten Köhler Deutschlands. Derzeit können wir ihm bei seinem Meiler in Baiersbronn einen Besuch abstatten und seine Arbeit begutachten.

Bei der alten Pflanzschule – auf einer wunderschönen Waldlichtung – hat Faißt seit dem 11. Juli 2022 seinen Kohlenmeiler aufgebaut, so wie er vor etwa 150 Jahren überall im Schwarzwald kokelte. Das Anzünden des Meilers und sein „Ausziehen“ am Ende (23. Juli) werden zur feierlichen Zeremonie. Dazwischen liegen Tage, in denen der Meiler schmaucht und raucht, die kunstvoll aufgestapelten und mit einer Erdschicht abgedeckten Buchen- und Tannenscheite zu Holzkohle verbrennt. Eine langwierige Prozedur. Vom Aufbau des Kohlenmeilers bis zum Ausziehen und Abpacken der frischen Kohle vergehen rund zwei Wochen. Vom Anzünden des Meilers an ist die ständige Anwesenheit des Köhlers erforderlich. Er muss da sein, das Ganze überwachen. Tag und Nacht!

Ärmliches, einsames Leben tief im Schwarzwald

Die Köhler kamen mit der der Besiedlung des Schwarzwalds und dem Abbau der Bodenschätze wie Eisen, Silber, Kupfer sowie der Glasherstellung in den Wald. Denn für die Verarbeitung von Eisenerz und die Verhüttung von Edelmetallen sowie die Glasherstellung wurden Temperaturen benötigt, die mit der Verbrennung von Holz nicht zu erreichen waren: Das Holz musste zunächst verkohlt werden, um als Brennmaterial dann die nötige Hitze entwickeln zu können.

Kultur am Meiler

Das Handwerk wurde in Deutschland 2014 zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Aus Respekt und Anerkennung für Generationen von bettelarmen Köhlern, die in diesem Fall den Schwarzwald geprägt und dem berühmten Hauff-Märchen vom „Kalten Herzen“ die Kulisse gegeben haben. Dieses Märchen beherrscht Thomas Faißt noch immer, wenn er wie in diesen Tagen in seiner Kulturwoche noch bis zum 23. Juli an den Meiler einlädt. Dort gibt es Märchenabende, Führungen durch den dunklen Wald, Dichterlesungen, Theater, Musik, Lieder, Familiensonntage und vieles, vieles mehr. Faißt ist beseelt vom Gedanken, mit der Köhlerei Wissen um einen ausgestorbenen Beruf an jene Generationen zu vermitteln, deren Heimatgefühl zu versickern droht.

Das Programm

Aufbau des Kohlenmeilers: seit 11. Juli
Entzünden des Kohlenmeilers:  14. Juli ca. 17 Uhr
Meilerabbrand: 14. bis 23. Juli
Nachts allein im Wald: 16. Juli, 19:30 Uhr
Kaffee und Kuchen am Kohlenmeiler: 17. Juli, nachmittags
„Das kalte Herz“, eine literarisch-poetische Märchenlesung: 19. Juli, 19:30 Uhr
Gespräche am Feuer: 21. Juli, 19:30 Uhr
Ausziehen des Kohlenmeilers: voraussichtlich 23. Juli, früh morgens
 
Zu dem Programmpunkt „Nachts alleine im Wald“ bietet die Baiersbronn Touristik am 16. Juli eine geführte Wanderung an. Am 17. Juli führt die Wanderung „Naturerlebnis Wald“ zu einem Besuch am Kohlenmeiler vorbei. 
Weitere Informationen unter www.wald-kohle-kultur.de sowie www.baiersbronn.de

So kommen Sie hin

Zum Kohlenmeiler kommt man ab Baiersbronn Rosenplatz der Beschilderung Holzweg folgend, oder ab dem Waldparkplatz Heuberg am Baiersbronner Holzweg.

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