Das Auerhuhn – Schwarzwald-Ikone auf der Kippe
Wer im Morgengrauen schon einmal einen balzenden Auerhahns gehört hat, weiß: Hier schlägt das Herz des Schwarzwalds. Doch diese Zeiten sind möglicherweise schon bald vorbei. Nur noch rund 200 Tiere leben nach Zählungen von 2025 in unseren Wäldern. Zwei isolierte Restbestände – einer im Nordschwarzwald, einer im Süden – kämpfen ums Überleben.
Besonders dramatisch: Im Südschwarzwald findet man die Vögel nur noch am Feldberg. Ohne Austausch zwischen den Populationen fehlt der genetische Nachschub. Die Folge: Schwächere Bestände, geringere Überlebenschancen.
Dabei ist das Auerhuhn ein Vogel mit klaren Ansprüchen. Es braucht lichte Wälder mit Heidelbeeren, Kräutern und offenen Sandflächen. Doch dichte Forste, Freizeitdruck durch Wanderer und Mountainbiker sowie Störungen durch Forstarbeiten machen ihm das Leben schwer.
Das Land Baden-Württemberg hat deshalb den „Aktionsplan Auerhuhn“ bis 2028 verlängert. Geplant sind Waldauflichtungen, mehr Heidelbeerflächen und vor allem: Ruhe für die Tiere. Denn wer überleben will, muss sicher brüten und ungestört wandern können.
Auch Lages des Rebhuhns ist prekär
Nicht minder besorgniserregend ist die Situation des Rebhuhns. Einst war der kleine Hühnervogel ein vertrauter Anblick auf Feldern und Wiesen. Heute ist er vielerorts verschwunden. In Baden-Württemberg gibt es nur noch wenige Restbestände, etwa im Breisgau-Hochschwarzwald oder im Kreis Lörrach.

Verlust des Lebensraumes
Das Rebhuhn steht wie kaum ein anderer Vogel für den Verlust strukturreicher Agrarlandschaften. Was fehlt, sind Brachen, Blühflächen und extensiv bewirtschaftete Äcker. Genau dort findet es Nahrung, Deckung und Brutplätze. „Wo solche Rückzugsräume nur noch vereinzelt vorkommen, brechen Populationen zusammen“, warnt NABU-Agrarexpertin Miriam Willmott.
Die Folge: isolierte Gruppen ohne genetischen Austausch – ein Todesurteil auf Raten. Hoffnung machen Projekte wie „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“, das bis 2029 läuft. Gemeinsam mit Landwirten werden Blühstreifen, Hecken und Brachen geschaffen. Mehrjährige Blühflächen wirken dabei wie grüne Lebensadern: Sie bieten nicht nur dem Rebhuhn Schutz, sondern auch Insekten, Feldhasen und sogar Wildkatzen.
Ein gemischtes Bild für die Vogelwelt
Der nationale Vogelschutzbericht zeigt insgesamt ein differenziertes Bild: Rund 40 Prozent der Brutvogelarten haben zwischen 2010 und 2022 zugenommen – darunter Gewinner wie Bienenfresser oder Wiedehopf, die vom wärmeren Klima profitieren. Doch bei etwa 30 Prozent der Arten geht es bergab. Besonders betroffen: Feld- und Agrarvögel wie Rebhuhn, Kiebitz oder Braunkehlchen.





