Foto: Stegerer
Vom Vöhrenbacher Litographen Casimir Stegerer, der damals selbst vor Ort war, stammt diese Darstellung des Unglücksortes
Vom Vöhrenbacher Litographen Casimir Stegerer, der damals selbst vor Ort war, stammt diese Darstellung des Unglücksortes
Foto: Stegerer

Schwarzwald: 17 Tote beim größten Lawinenunglück Deutschlands

11. Januar 2026
Der 24. Februar 1844 ist ein schwarzer Tag in der Geschichte des Schwarzwalds. An diesem Abend ereignete sich das bis heute schwerste Lawinenunglück Deutschlands – nicht in den Alpen, sondern hier bei uns: im Wagnerstal bei Neukirch, einem Ortsteil von Furtwangen. 17 Menschen verloren ihr Leben.

Ein unheilvolles Geräusch in der Nacht

Es ist gegen 23 Uhr, als im Wagnerstal ein unheimliches Sausen zu hören ist. Im Nachbargebäude des Königenhofs nimmt die Frau des Uhrengestellmachers Beha das Geräusch wahr, spürt sogar, wie das Haus kurz erzittert. Sie misst dem Vorfall jedoch keine besondere Bedeutung bei. Schon den ganzen Tag hatte ein Sturm getobt – für sie nichts Ungewöhnliches. Sie geht schlafen.

Der Königenhof ist verschwunden

Erst in den frühen Morgenstunden wird das Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Der Uhrengestellmacher macht sich auf den Weg zum Königenhof, da seine beiden dort lebenden Söhne nicht nach Hause zurückgekehrt sind. Doch der Hof ist nicht mehr zu sehen. Tonnen von Schnee haben das gesamte Anwesen unter sich begraben.

Wie spätere Ermittlungen ergeben, saßen der Königenbauer und fünf Freunde zum Zeitpunkt des Unglücks beim Cego-Spiel am Tisch. Insgesamt hielten sich in dieser Nacht 24 Menschen auf dem Hof auf. Nur sieben von ihnen – darunter vier Töchter des Bauern – konnten lebend geborgen werden. Für 17 Menschen kam jede Hilfe zu spät.

Verzweifelte Rettung unter extremen Bedingungen

Neben den Todesopfern forderte die Lawine auch unter dem Vieh einen hohen Tribut: 23 Rinder und ein Pferd wurden verschüttet. Einige Tiere überlebten zunächst und mussten nach ihrer Bergung von fünf Metzgern notgeschlachtet werden.

Hunderte Helfer eilten nach Bekanntwerden des Unglücks ins Wagnerstal. Was sie vorfanden, war ein Bild der Verwüstung. Die Bergungsarbeiten zogen sich über rund eine Woche hin. Einsetzendes Tauwetter war kurz darauf von eisiger Kälte abgelöst worden – der Schnee gefror steinhart und machte das Graben extrem schwierig.

Warnzeichen ignoriert – ein fataler Fehler

Schon bald rückte die Ursache der Katastrophe in den Fokus. Am Tag des Unglücks war bereits gegen 18 Uhr eine kleinere Lawine abgegangen, die ein benachbartes Bienenhaus zerstört hatte. Während bei den Frauen auf dem Hof große Angst aufkam, sah der Hofbauer keine Gefahr für den Königenhof. Er und seine Knechte entschieden sich, nichts zu unternehmen.

Eine fatale Fehleinschätzung. Bis zu drei, manche Berichte sprechen sogar von vier Metern Schnee hatten sich am Hang oberhalb des Hofs angesammelt. Tauwetter setzte die Schneemassen schließlich in Bewegung – ungehindert. Denn die schützenden Bäume am Hang waren zuvor abgeholzt und verkauft worden. Experten sind sich bis heute einig: Mit intaktem Wald wäre es vermutlich nie zu dieser Katastrophe gekommen.

Gedenken bis heute

Die 17 Todesopfer wurden auf dem Friedhof in Neukirch beigesetzt. Eine Gedenktafel mit ihren Namen und Lebensaltern erinnert dort bis heute an das Unglück. Der Königenhof selbst wurde nie wieder aufgebaut. An seiner Stelle stehen heute eine Grillhütte und ein Gedenkstein.

Oberhalb des ehemaligen Hofgeländes, am Ausgangspunkt der Lawine, erinnert ein Kreuz an das schwerste Lawinenunglück, das Deutschland je erlebt hat – und an eine Tragödie, die tief in der Geschichte des Schwarzwalds verankert ist.

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