Foto: Verlag Gebrüder Metz, Tübingen - http://www.zbonndorf.de/Bad-Boll.html, PD-alt-100, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=9395578
So sah Bad Boll in der Wutachschlucht zu seinen Glanzzeiten aus.
So sah Bad Boll in der Wutachschlucht zu seinen Glanzzeiten aus.
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Bad Boll in der Wutachschlucht: Vom Luxus-Kurbad zum Lost Place – was heute noch zu sehen ist

20. August 2025
Wer heute durch die Wutachschlucht, den "Grandd Canyon Deutschlands",  wandert, denkt wohl kaum daran, dass es hier einst ein mondänes Kurbad gab. Bad Boll hieß der Ort – und er lockte Gäste aus aller Welt. Heute zeugen nur noch die kleine Kapelle und die sprudelnde Quelle von der glanzvollen Vergangenheit.

Schon im Mittelalter war die Badhofquelle im Wutachtal bekannt. 1839 entstand eine erste Badeanstalt, doch erst ab 1888 ging es richtig los: Der ehemalige Freiburger Oberbürgermeister Karl Schuster investierte kräftig und machte aus Bad Boll ein stattliches Heilbad.

Glanzzeiten mit Speisesaal und Gondeln

Im dreistöckigen Kurhaus entstanden ein eleganter Speisesaal für rund 100 Gäste, ein Badehaus mit Inhalationen, Massagen und allerlei Kuren. Selbst Park und Gartenanlagen waren elektrisch beleuchtet – ebenso wie der 50 Meter hohe Wasserfall. Ein besonderes Vergnügen: zwei Seen, auf denen die Gäste Gondelfahrten genießen konnten, sowie Fischteiche und eine Forellenzucht.

Die Engländer kommen wegen der Forellen

1894 kam der große Durchbruch: Eine Gruppe britischer Angler kaufte das Hotel – angelockt vom exzellenten Forellenbestand der Wutach, der als bester Deutschlands galt. Der neu gegründete „Bad Boll Fishing Club“ pachtete ganze 80 Kilometer Angelstrecke.

Die Wutachschlucht, der „Grand Canyon Deutschlands“, ist heute eines der angesagtesten Wandergebiete Deutschlands. Bild: Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Sogar Churchill soll hier gefischt haben

Von da an reisten internationale Gäste an: Adelige, Militärs und Besucher aus New York, St. Petersburg, Paris oder Florenz. Sogar der junge Prinz Hassan aus Afrika weilte hier. Und auch Winston Churchill, später Premierminister, soll in jungen Jahren seine Angel in die Wutach ausgeworfen haben.

Doch die Blütezeit war kurz. Ab 1909 machte die Verschmutzung der Wutach dem Angeln ein Ende – verursacht durch Abwässer einer Holzzell- und Papierfabrik in Neustadt. 1913 erreichte die Misere ihren Höhepunkt, als ein stinkender Schaumteppich am Kurort vorbeizog. Der „Fishing Club“ packte die Ruten und zog sich zurück.

Das Ende: Abriss 1992

Bad Boll erholte sich nie wieder. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Anlage noch als Erholungsheim und später als Therapiezentrum für Drogenabhängige. Ein Tourismusprojekt in den 1980er-Jahren scheiterte am Naturschutz. Schließlich verfiel die Anlage – bis 1992 die Abrissbagger kamen. Heute erinnern nur noch die kleine Kapelle und die sprudelnde Quelle an das einst mondäne Bad. Ein echter Lost Place mitten in der Natur.

Heute: Paradies für Wanderer

Die Wutachschlucht, oft als „Grand Canyon Deutschlands“ bezeichnet, ist heute ein Traumziel für Naturliebhaber. Während vom einstigen Kurbad Bad Boll kaum mehr als stille Spuren geblieben sind, lockt die Schlucht nun mit sauberem Wasser, lebendigen Fischbeständen und einem der schönsten Wandererlebnisse in Deutschland.

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