Mal sind sie da – mal sind sie weg
Beim Betreten des Münsters sind die feinen Fäden zunächst kaum wahrnehmbar. Erst das natürliche Licht lässt die Installation sichtbar werden. Wenn Sonnenstrahlen durch die farbigen Kirchenfenster fallen, beginnen die Fäden zu leuchten, reflektieren das Licht und zeichnen filigrane Linien in den Raum. Wandert die Sonne weiter, verschwinden einzelne Partien wieder im Halbdunkel. Ein ständiges Wechselspiel zwischen Präsenz und Verschwinden, zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit.

Fäden schweben durch den Raum
Die Fäden scheinen durch das Kirchenschiff zu schweben – von unten nach oben, von links nach rechts, von hinten nach vorne. Mal wirken sie wie Lichtstrahlen, die den Raum durchfluten, dann lösen sie sich im Dämmerlicht auf. Die Dimensionen des Münsters verstärken die Wirkung: 27,35 Meter Höhe im Chor, 125,83 Meter Länge des Kirchenschiffs. Entsprechend monumental spannt sich das feine Garnnetz durch den Raum.
Faszinierte Besucher
Mitunter drängen sich Hunderte gleichzeitig im Münster, gehen mit ihren Blicken auf Entdeckungstour. Köpfe recken sich, Menschen flüstern, zeigen nach oben: „Dort – siehst du?“ Ein paar Schritte weiter kann das eben Gesehene bereits verschwunden sein. Ein veränderter Blickwinkel genügt, und ein neues Muster erscheint. Prozesshaft, flüchtig, oft nur für Augenblicke. Das alles hat noch einen ganz besonderen Nebeneffekt. Durch das genaue Schauen, Suchen und Beobachten lernen wir das das Innere des Freiburger Münsters in seiner ganzen Komplexität und Großartigkeit näher kennen,
Große Resonanz in den sozialen Medien
Auf Instagram wird die Installation derzeit als „Geheimtipp für die letzten Wochen“ gefeiert. Viele Besucher berichten, sie hätten im ersten Moment an moderne Laserstrahlen gedacht, bevor sie erkannten, dass es sich um filigranes Garn handelt. Ein häufig geteilter Tipp: Das Münster unbedingt an einem sonnigen Tag besuchen – dann beginnt das Werk durch die bunten Fenster regelrecht zu leuchten.
Die Künstlerin
Elke Maier, 1965 in Niederbayern geboren und heute in Kärnten lebend, ist international bekannt für ihre Garn‑Interventionen in sakralen Räumen. Arbeiten von ihr waren bereits im Wiener Stephansdom, im Bamberger Dom und in der Kollegienkirche Salzburg zu sehen. Die Freiburger Installation ist ihr bislang größtes Projekt.
Einladung zum Erleben
Die Ausstellung ist bis zum 28. September während der regulären Öffnungszeiten des Münsters zu sehen, der Eintritt ist frei. Besucherinnen und Besucher werden ausdrücklich ermuntert, die Installation zu unterschiedlichen Tageszeiten zu erleben – sie zeigt sich niemals gleich.
Extratipp
Begleitend hat die Erzdiözese Freiburg den 18‑minütigen Dokumentarfilm „Vom Licht berührt“ herausgebracht. Er beleuchtet die Entstehung des Werks und den Arbeitsprozess der Künstlerin. Der Film wird noch bis zum 25. September jeweils mittwochs und freitags um 17 Uhr im Münster gezeigt.






