Voraussetzung für unser Ranking war eine Mindesthöhe von 75 Meter Höhe. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – acht beeindruckende Bauwerke, wobei sich zwei davon den siebten Platz teilen. Und ja, die Nummer eins dürfte keine große Überraschung sein: der Turm des Freiburger Münsters. Doch gerade dahinter wird es spannend. Denn auch die übrigen sieben Türme zeigen eindrucksvoll, wie sehr Architektur, Geschichte und Selbstbewusstsein einer Region in Stein in den Himmel wachsen können. Also, Bühne frei für die „Giganten“ des Schwarzwalds!.
1. Das Freiburger Münster
Er ist nicht nur der höchste Kirchturm des Schwarzwalds, sondern auch einer der berühmtesten der Welt: der 116 Meter hohe Westturm des Freiburger Münsters. Für viele ist er mehr als nur ein Bauwerk – er ist ein Meisterwerk der Gotik. Der Kunsthistoriker Jacob Burckhardt brachte es bereits 1869 auf den Punkt, als er ihn den „schönsten Turm auf Erden“ nannte.
Seine Wirkung entfaltet der Turm vom Boden bis zur Spitze: unten massiv und kraftvoll, fast erdverbunden, darüber zunehmend filigran und durchlässig, bis sich die berühmte, 46 Meter hohe Turmspitze wie ein steinernes Spitzengewebe in den Himmel auflöst. Diese Konstruktion war zur Zeit ihrer Entstehung revolutionär und wurde zum Vorbild für zahlreiche Kirchenbauten in Europa. Nach der Vollendung um 1330 gehörte das Münster über lange Zeit zu den höchsten Bauwerken der Welt – ein Status, der seinen Mythos bis heute prägt. Auch heute noch zählt der Turm zu den höchsten in Deutschland und ist nach dem Ulmer Münster die Nummer zwei in Baden-Württemberg.

2. Die Kirche St. Bernhard in Karlsruhe
Wer durch die Karlsruher Oststadt in Richtung Durlacher Tor blickt, kommt an ihm nicht vorbei: Der Turm der St.-Bernhard-Kirche setzt mit seinen 93 Metern ein selbstbewusstes Zeichen aus rotem Sandstein. Als einer der bedeutendsten neugotischen Sakralbauten im ehemaligen Großherzogtum Baden verbindet er architektonische Eleganz mit politischer Aussagekraft.
Denn seine Höhe war kein Zufall. In einem traditionell protestantisch geprägten Umfeld sollte der Turm die wachsende Bedeutung des Katholizismus sichtbar machen – und das möglichst unübersehbar. Architekt Max Meckel orientierte sich dabei bewusst am Freiburger Münster, ohne es zu kopieren. Das Ergebnis ist ein eigenständiger, kraftvoller Bau, der bis heute das Stadtbild prägt. Besonders auffällig: das Standbild des Kirchenpatrons Markgraf Bernhard II., das in luftiger Höhe über Karlsruhe wacht.

3. Die Mariä-Himmelfahrtskirche in Schönau
Klein, aber spektakulär: Schönau im Schwarzwald zählt nur gut 2400 Einwohner – und besitzt dennoch einen der höchsten Kirchtürme der gesamten Region. Mit 90 Metern ragt der Turm der Mariä-Himmelfahrtskirche weit über das Städtchen hinaus und verschafft ihm einen überraschenden Platz auf dem Podium.
Der Turm ist Ausdruck eines Aufbruchs: Anfang des 20. Jahrhunderts entschied man sich für einen kompletten Neubau der Kirche. Das Ergebnis ist ein neugotisches Bauwerk, das Selbstbewusstsein ausstrahlt – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Filigrane Details wie Balustraden, Fialen und die schlanke, pyramidenförmige Spitze verleihen dem Turm eine fast schon schwerelose Eleganz. Ein Bau, der zeigt, dass Größe nicht von der Einwohnerzahl abhängt.

4. Die evangelische Stadtkirche Pforzheim
Ein Turm, der für Diskussionen sorgte – und heute längst angekommen ist: Mit 81,85 Metern gehört der freistehende Turm der evangelischen Stadtkirche Pforzheim zu den markantesten jüngeren Bauwerken im Ranking. Eingeweiht 1968, steht er auch für einen architektonischen Neuanfang nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs.
Die Entscheidung für den Neubau war damals umstritten. Der Turm des Vorgängerbaus hatte den Bombenangriff überstanden und sollte ursprünglich als Mahnmal erhalten bleiben. Letztlich fiel die Wahl jedoch auf einen modernen Neubau – inklusive Abriss des alten Turms. Heute wirkt diese Entscheidung fast selbstverständlich: Der schlanke Turm fügt sich prägend ins Stadtbild ein, seine Glockenstube in rund 45 Metern Höhe beherbergt ein beeindruckendes Geläut von insgesamt 15 Tonnen.

5. Die Stiftskirche in Baden-Baden
Kaum ein Bauwerk im Schwarzwald vereint so viele Epochen in sich wie die Stiftskirche Baden-Baden. Ihre Geschichte reicht über tausend Jahre zurück, und das spiegelt sich auch in ihrem Turm wider: Romanische Substanz, gotische Aufbauten und barocke Ergänzungen verschmelzen hier zu einem architektonischen Gesamtbild.
Der Turm selbst ist ein gewachsenes Bauwerk. Seine massiven Untergeschosse stammen aus der Romanik, darüber erhebt sich eine achteckige Glockenstube aus der Gotik, gekrönt von einer barocken Haube aus dem Jahr 1751. Zusammen ergibt das eine Höhe von 78 Metern – und einen Turm, der weniger durch spektakuläre Höhe als durch seine historische Tiefe beeindruckt. Im Inneren setzt sich diese Geschichte fort: als Grablege badischer Markgrafen, allen voran des legendären „Türkenlouis“.

Foto: Gerd Eichmann, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
6. Die Pfarrkirche St. Nikolaus in Kappelrodeck
„Achtäler Dom“ – der Spitzname des Gotteshauses kommt nicht von ungefähr. Die Pfarrkirche St. Nikolaus in Kappelrodeck beeindruckt durch ihre Dimensionen ebenso wie durch ihre Ausstrahlung. Für eine Gemeinde dieser Größe ist ein 76 Meter hoher Kirchturm alles andere als selbstverständlich.
Erbaut wurde die heutige Kirche Anfang des 20. Jahrhunderts im neugotischen Stil. Der Turm bildet dabei das weithin sichtbare Zentrum und verleiht dem Ort eine fast städtische Silhouette. Doch es ist nicht nur die Höhe, die beeindruckt: Auch die Innenausstattung mit ihren kunstvollen Glasfenstern und Altären unterstreicht den Anspruch, hier etwas Besonderes geschaffen zu haben. Ein Bauwerk, das Stolz sichtbar macht.

7. Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Schuttern
Was bleibt, wenn ein Kloster verschwindet? In Schuttern lautet die Antwort: ein Turm, der bis heute alles überragt. Das ehemalige Benediktinerkloster wurde im Zuge der Säkularisation aufgelöst, die meisten Gebäude verschwanden. Geblieben ist die barocke Kirche – und mit ihr ein 75 Meter hoher Turm, der die Geschichte des Ortes bis heute sichtbar macht.
Errichtet wurde der Turm bereits 1722, das Langhaus folgte einige Jahrzehnte später. Zusammen bilden sie ein Bauwerk, das nicht nur architektonisch, sondern auch historisch prägend ist. Im Ranking reicht das für Platz sieben – den sich Schuttern mit einem weiteren besonderen Turm teilt.

7. Das Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil
Rottweil wird oft als „Stadt der Türme“ bezeichnet – und das nicht erst seit dem Bau des modernen Testturms. Schon seit Jahrhunderten prägt das Heilig-Kreuz-Münster mit seinem 75 Meter hohen Turm das Stadtbild. Die spätgotische Hallenkirche ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Region und seit dem 15. Jahrhundert religiöses Zentrum der Stadt.
Doch es ist nicht nur die Höhe, die diesen Turm besonders macht. Wer genau hinschaut, erkennt schnell: Die Spitze sitzt nicht ganz gerade. Tatsächlich weicht der Turmhelm um rund 1,30 Meter von der Mittelachse ab – eine Folge des Stadtbrandes von 1696 und des anschließenden Wiederaufbaus. Statt diesen „Fehler“ zu korrigieren, entschied man sich bei späteren Renovierungen bewusst dafür, ihn zu erhalten. Heute ist die Schieflage längst Teil der Identität – und macht den Turm unverwechselbar.
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