Foto: picture-alliance/DOSB
Georg Thoma, die Wintersportlegende aus dem Schwarzwald. Hier im Schwarzwälder Skimuseum in seinem Heimatort Hinterzarten, zu dessen Gründung er den Anstoß gab.
Georg Thoma, die Wintersportlegende aus dem Schwarzwald. Hier im Schwarzwälder Skimuseum in seinem Heimatort Hinterzarten, zu dessen Gründung er den Anstoß gab.
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Olympiageschichte: Georg Thoma, der Skikönig aus dem Schwarzwald

9. Februar 2026
In Mailand und Cortina d’Ampezzo haben die Olympischen Winterspiele begonnen. Mit dabei sind auch dieses Mal wieder Sportlerinnen und Sportler aus dem Schwarzwald. Für Schwarzwald aktuell der Anlass, einmal in der Geschichte der Olympischen Winterspiele zu blicken und uns auf die Suche nach den „goldenen Momenten“ Schwarzwälder Sportler zu machen. Was heißt suchen – da wird man schnell fündig. Und ja, vielen kommt da natürlich sofort ein Name in den Sinn: Georg Thoma.

Squaw Valley 1960: Die Geburtsstunde einer Legende

Olympische Winterspiele 1960 in Squaw Valley: Es ist die Geburtsstunde einer Legende, der Tag, an dem ein bis dahin weithin unbekannter junger Mann auf einen Schlag weltberühmt wird: Georg Thoma, 22-jähriger Sportler aus Hinterzarten im Schwarzwald. Der junge Mann tritt in der aus Skispringen und Langlauf bestehenden Kombination an.

Während der Entscheidung im Langlauf hält Deutschland den Atem an. Millionen fiebern vor dem Fernseher oder vor dem Radio mit. Und ja, ja – der Jörgl schafft es, Nach der Führung im Springen läuft Thoma am anderen Tag das Rennen seines Lebens, holt sich olympisches Gold. Kein Mensch hatte den Schwarzwälder auf der Rechnung. Es war das erste Mal in der olympischen Geschichte der Nordischen Kombination, dass kein Skandinavier ganz oben auf dem Treppchen stand. Seit 1924 (!) waren sie es, die bei allen Spielen Gold und Silber geholt hatten.

Ein Bild aus seiner aktiven Zeit: Georg Thoma 1960 in Oslo bei den Weltmeisterschaften. Gerade hat er sich den WM-Titel gesichert. Bild: Riksarkivet (Nationalarchiv Norwegens) aus Oslo, Norwegen, No restrictions, via Wikimedia Commons 

25.000 bereiten ihm daheim einen Riesenempfang

Zu Hause fällt Deutschland ins Georg-Thoma-Fieber. Es gibt in diesen Tagen niemanden, über den in Deutschland mehr gesprochen wird als über ihn. Die ganze Nation freut sich, ist stolz auf ihn. Als Thoma von den Spielen nach Hause heimkehrt, sind in dem kleinen Schwarzwaldort Hinterzarten 25.000 Menschen auf den Beinen und bereiten ihm einen Empfang, wie ihn der Schwarzwald zuvor – und wohl auch danach – noch nie gesehen hat. Im gleichen Jahr wird er zu Deutschlands „Sportler des Jahres“ gewählt.

Thoma lehrt die Konkurrenz das Fürchten

Der Sieg ein Zufall? Von wegen. „Jörgl“, wie ihn seine Freunde nennen, lehrt der Konkurrenz weiter das Fürchten. Von 1963 bis 1965 siegt er beim traditionsreichsten Wettbewerb der Nordischen Kombination am Holmenkollen drei Mal hintereinander. Legendär die Worte, mit denen der norwegische König den Schwarzwälder bei einer der Siegerehrungen lächelnd begrüßt: „Sie schon wieder“.

1966 holt Georg Thoma bei den Olympischen Spielen Bronze und ist Fahnenträger des deutschen Teams. Im gleichen Jahr wird er Weltmeister in der Nordischen Kombination. So „zwischendurch“ gewinnt er auch einmal das Neujahrsskispringen der Vierschanzentournee. 1966 beendet er schließlich seine Karriere.

Auch nach der Karriere dem Sport und dem Schwarzwald verbunden

Nach dem Ende seiner Karriere bleibt er dem Skisport trotzdem erhalten. Er geht erfolgreich bei vielen Skimarathons an den Start, wird mehrfach Seniorenweltmeister im Skilanglauf und – man höre und staune – auch mit dem Mountainbike. Seine „Postkarriere“ als Briefträger beendet Thoma 1971, arbeitet danach unter anderem als Repräsentant und Tennislehrer und setzt sich in vielerlei Hinsicht für seine Heimat, den Schwarzwald, den Sport und hier vor allem auch für die Jugend ein.

Stele von Georg Thoma vor dem nach ihm benannten Olympia-Stützpunkt in Freiburg. Bild: Andreas SchwarzkopfCC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

1987 ernennt ihn seine Heimatgemeinde Hinterzarten zum Ehrenbürger. Im gleichen Jahr wird er mit dem „Goldenen Gong“ als bester Fernsehkommentator der Nordischen Ski-WM ausgezeichnet. Die jüngste unter den vielen Auszeichnungen: Im Januar 2018 erhält er vom Landessportverband Baden-Württemberg für sein vielfältiges, vorbildhaftes Wirken den Ehrenpreis.

Von ihm gingen auch die Impulse für die Einrichtung des „Schwarzwälder Skimuseums“ in seiner Heimatgemeinde Hinterzarten aus. Das liebevoll eingerichtete Museum erfreut sich großer Beliebtheit. Gehen Sie mal hin. Es lohnt sich. Und wer weiß – vielleicht begegnen Sie ihm sogar. Der Schwarzwälder Skikönig schaut in „seinem“ Museum auch mit 88 Jahren immer wieder einmal vorbei. Bescheiden ist er geblieben.

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