Foto: www.NABU-BW.de Frank Derer
Ausgiebiges Schnabelklappern gehört bei der Ankunft am Nest zur Begrüßung.
Ausgiebiges Schnabelklappern gehört bei der Ankunft am Nest zur Begrüßung.
Foto: www.NABU-BW.de Frank Derer

Abflugbereit – Jungstörche aus BW starten gen Süden

2. August 2025
Der August ist da, und für Baden-Württembergs junge Weißstörche bedeutet das: Abflugzeit! In diesen Wochen verlassen die Jungtiere ihre Horste und brechen zu ihrer ersten großen Reise Richtung Süden auf. Doch wie erfolgreich verlief die diesjährige Brutzeit? Ein erster Blick zeigt: Die Bilanz ist regional sehr unterschiedlich – mal erfreulich, mal eher durchwachsen.

Brutzeit mit unterschiedlichen Ergebnissen

Im Bereich nördlich von Karlsruhe etwa kann sich das Ergebnis sehen lassen: Dort wurden in 148 Horsten ganze 315 flügge Jungstörche gezählt – ein Schnitt von 2,1 Jungvögeln pro Paar. Am Mittleren Oberrhein beringte NABU-Horstbetreuer Stefan Eisenbarth dagegen 101 Jungstörche in 86 Horsten, was mit 1,2 pro Brutpaar gerade so ausreicht, um die Population stabil zu halten. In den Landkreisen Enzkreis und Ludwigsburg wiederum blieb der Nachwuchs teilweise hinter den Erwartungen zurück.

Trockenheit erschwert die Aufzucht

Ein Grund für das schwankende Ergebnis liegt in der extremen Trockenheit der ersten Jahreshälfte. „Seit Februar fiel weniger als die Hälfte des üblichen Niederschlags. Das hat sich negativ auf das Nahrungsangebot für die Jungvögel ausgewirkt“, berichtet NABU-Storchenexperte Eisenbarth. Weil es weniger Regenwürmer, Insekten und Amphibien gab, konnten viele Storcheneltern ihren Nachwuchs nicht ausreichend versorgen.

Warum manche Jungstörche aus dem Nest geworfen werden

Die Folge: Die Jungen entwickelten sich langsamer, blieben länger im Horst und verließen ihn später als üblich. Einige wurden sogar von den Eltern aus dem Nest geworfen – ein natürliches Verhalten, das in Jahren mit knapper Nahrung häufiger auftritt. Immerhin konnten einige dieser „Nestverstoßenen“ gerettet werden. In Rastatt-Plittersdorf etwa brachte die Feuerwehr einen aus dem Schneefanggitter befreiten Jungstorch in Sicherheit. Und im NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen wurden in diesem Jahr über 30 Jungstörche aufgenommen.

Ob er gerade gen Süden fliegt? Bild: www.NABU-BW.de Frank Derer

Frankreich und Nordspanien Hauptziele

Jetzt aber sind die meisten Jungstörche bereit für den Abflug. Im Umkreis von etwa 50 Kilometern um ihren Geburtsort schließen sie sich mit anderen Jungvögeln zusammen. Beliebte Sammelpunkte sind die traditionellen Wässerwiesen im Enztal, wo dank Bewässerung noch reichlich Nahrung auf sie wartet.

Ziel der Reise ist oft Frankreich oder Nordspanien – seltener Marokko oder Westafrika, wie früher üblich. Einige Störche verzichten sogar ganz auf die Reise und bleiben gleich hier: In Oberschwaben zum Beispiel überwintert mittlerweile rund ein Drittel der Population im Brutgebiet. Wie erfolgreich das Storchenjahr 2025 insgesamt war, wird sich endgültig erst gegen Jahresende zeigen, wenn die Zahlen aus allen Landesteilen vorliegen.

Ortenau und Kreis Karlsruhe: Storchenhochburgen im Ländle

Interessant ist natürlich auch, wo sich die Tiere im Ländle bevorzugt aufhalten. Und siehe da: Der Schwarzwald ist nicht nur für Urlauber ein beliebtes Ziel, sondern zumindest Teile der Ferienregion Schwarzwald auch für Störche. Die meisten Hortbelegungen in ganz Baden-Württemberg gibt es nämlich im Kreis Karlsruhe und im Ortenaukreis.

Sehr viele Störche leben auch um den Landkreis Rastatt, bei Baden-Baden, im Landkreis Emmendingen, im Breisgau, im Landkreis Lörrach und an der Ostseite des Schwarzwalds im Schwarzwald-Baar-Kreis.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr aus dem Netz