
Ein Bahnhof als Visitenkarte
Die neue Schalterhalle war notwendig geworden, weil die alte den Anforderungen des mondänen Weltbades nicht mehr genügte. Also entstand zwischen 1892 und 1895 ein repräsentatives Empfangsgebäude im Stil der Neorenaissance, mit Anleihen aus dem Barock. Die helle Sandsteinfassade aus dem Murgtal, der noble Kuppelbau, mehrere Wartesäle und ein eigener Fürstenpavillon machten den Bahnhof zu einem echten Entrée erster Klasse. Mit der neuen Halle war der Bahnhof nicht nur funktional – er war ein Ort der Repräsentation. Hier wurden hochgestellte Persönlichkeiten empfangen, Gäste der Stadt begrüßt und Reisende verabschiedet. Der Bau spiegelte das Selbstverständnis Baden-Badens als internationale Kur- und Kulturstadt wider.
1977 das Aus als Bahnhof
Bis 1977 war der Bahnhof in Betrieb, dann wurde die Bahnstrecke stillgelegt. Das alte großartige Gebäude verlor seine Aufgabe, blieb aber als markantes Bauwerk erhalten. Und es fand eine neue Bestimmung – eine, die ganz zur Stadt passt.

CatalpaSpirit, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Ein neues Leben im Zeichen der Musik
Als in den 1990er-Jahren das Festspielhaus Baden-Baden auf dem ehemaligen Bahngelände geplant wurde, integrierte der Architekt Wilhelm Holzbauer i das historische Empfangsgebäude in das neue Konzerthaus – und machte es zum stilvollen Foyer. Ein großartige Idee.
Der Geist der Belle Époque lebt weiter
Seit der Eröffnung des Festspielhauses im Jahr 1998 strömen nun keine Zugreisenden mehr durch die hohen Türen, sondern Konzertgäste und Musikstars aus aller Welt. Die opulente Innenausstattung ist weitgehend erhalten geblieben – Stuck, Säulen, Proportionen. Der Geist der Belle Époque lebt weiter, heute im Dienst der Hochkultur.
Der Alte Bahnhof hat seine Gleise verloren – aber nichts von seiner Würde. Im Gegenteil: Als Empfangshalle für eines der renommiertesten Festspielhäuser Europas ist er vielleicht bedeutender denn je.





