Der Nationalpark Schwarzwald war am 1. Januar 2014 gegründet worden – ein Prozess, dem hitzige Debatten vorausgingen. Da die Waldgenossenschaft Murgschifferschaft die entscheidenden Flächen zwischen den zwei Bereichen besaß und diese aus forstwirtschaftlichen Gründen nicht freigeben wollte, entstand damals die sogenannte „Zwei-Teile-Lösung“. So lagen Ruhestein (7.615 Hektar) und Hoher Ochsenkopf/Plättig (2.447 Hektar) rund 3,5 Kilometer voneinander entfernt – eine Lösung, die zumindest für die Befürworter des Parks nur eine Übergangslösung sein konnte. Deren Ziel blieb klar: „Wir wollen den Lückenschluss.“
Wie es zur Zwei-Teile-Lösung kam
Mit der Zeit wuchs die Akzeptanz in der Bevölkerung spürbar. Dazu kamen noch erhebliche Investitionen. Wie zum Beispiel in den Neubau eines modernen Nationalparkzentrums am Ruhestein. Die Akzeptanz für den Nationalpark wuchs. Nicht nur landesweit, sondern auch in der betroffenen Region selbst.
Jetzt, zwölf Jahre später, ist es so weit: Nach langwierigen Gesprächen mit den Grundstückseigentümern der betroffenen Waldflächen ist eine Einigung erzielt worden. Für den Lückenschluss übernimmt das Land Baden-Württemberg rund 3.000 Hektar Wald. Als Ausgleich erhält die Murgschifferschaft eine gleichwertige Fläche Staatswald in der Nachbarschaft der Schwarzwaldgemeinde Enzklösterle (Kreis Calw).
Unter Wert verkauft?
Darüber hinaus zieht sich das Land aus der Genossenschaft zurück und verkauft seine Anteile für 40 Millionen Euro an die übrigen Eigner. Vor Kurzem stimmte der Landtag der Erweiterung den ausgehandelten Bedingungen mit Mehrheit – getragen von Grünen und CDU – zu. Es gab jedoch Kritik vom Landesrechnungshof und aus der Opposition, man habe die Anteile unter Wert verkauft.

Was einen Nationalpark zum Nationalpark macht
Nationalparks setzen auf sogenannten Prozessschutz. Das bedeutet: In großen Teilen – der Kernzone – greift der Mensch nicht mehr aktiv in die Natur ein. Wälder dürfen wachsen, umfallen, verjüngen und sich selbst regulieren. Die Natur entwickelt sich eigenständig, und der Mensch beobachtet statt zu lenken. Ziel ist es, den Schwarzwald „eine Spur wilder werden zu lassen“ – und mit dem Lückenschluss wird diese Vision nun ein gutes Stück realistischer. Die Natur soll damit – wie es der Nationalpark Schwarzwald formuliert – „eine Spur wilder werden“.






