Foto: Foto: Storz/Hochschwarzwald Tourismus GmbH
Dieses Motiv auf einer Postkarte machte das „Plattenwiebli“ auch über die Region hinaus zu einer Berühmtheit
Dieses Motiv auf einer Postkarte machte das „Plattenwiebli“ auch über die Region hinaus zu einer Berühmtheit
Foto: Foto: Storz/Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Im Portrait: das Plattenwieble – die wohl skurrilste Frau des Schwarzwalds

20. Januar 2026
Das ist die Geschichte vom "Plattenwieble", einer Frau, die schon zu ihren Lebzeiten zur Legende wurde. Ja, sie dürfte wohl die wohl skurrilste Frau sein, die jemals im Schwarzwald gelebt hat. Ihr auffälliges Erscheinungsbild und ihr eigenwilliges Verhalten machten sie schon zu Lebzeiten zu einer Berühmtheit. An den närrischen Tagen ist sie heute sogar wieder quicklebendig unterwegs - als Fasnetsfigur!

Ein unverwechselbares Erscheinungsbild

Gerade einmal rund 1,40 Meter groß, ein tief zerfurchtes Gesicht, auffallend große Ohren, dazu ein ausgebeulter Männerhut und fast immer eine Pfeife im Mund – so beschrieben Zeitzeugen das Plattenwiebli. Hinzu kamen ihre Röcke, von denen sie stets drei übereinander trug. All diese Merkmale prägen bis heute die eindrucksvolle Narrenfigur der Glottertäler Zunft.

Josefa Schuler und der Ursprung des Namens

Nur wenige Menschen kannten sie unter ihrem bürgerlichen Namen Josefa Schuler. Bekannt wurde sie als „Plattenwiebli“ – benannt nach der „Platte“, einer Hochebene bei St. Peter, wo sie häufig unterwegs war. Geboren wurde sie 1854 auf dem Langeckhof bei St. Peter im Hochschwarzwald.

Ein tragischer Einschnitt veränderte ihr Leben nachhaltig: Der Tod ihrer fünfjährigen Tochter, die unehelich von einem Hirten stammte und an Diphtherie starb. Danach zog sich Josefa Schuler zunehmend zurück, wurde schrulliger und ihr Verhalten immer eigenwilliger.

Alltag zwischen Besen, Pfeife und Barfußwegen

Wie Barbara Bollwahn auf den Internetseiten der Hochschwarzwald Tourismus GmbH berichtet, wusch sich das Plattenwiebli kaum noch, schlief nachts in voller Kleidung auf der Ofenbank und fertigte dort Reisigbesen an, die sie in der Umgebung verkaufte. Wegen dieser Tätigkeit erhielt sie auch den Beinamen „Kandelhexe“ – obwohl ihre Besen zum Fegen und nicht zum Fliegen gedacht waren. Bekannt war sie außerdem dafür, meist barfuß unterwegs zu sein, selbst im Winter. Lief der Verkauf schlecht, stahl sie gelegentlich Eier, um sie weiterzuverkaufen.

Es wusch sich nie, rauchte Pfeife und wurde wegen ihres Aussehens und Verhaltens schon zu Lebzeiten zu einer Berühmtheit: das Plattenwiebli, das heute in Glottertal als Narrenfigur beeindruckend weiterlebt. Bild: Glottentäler Narrenzunft Plattenwiebli

Berühmtes Postkartenmotiv

Dem Plattenwiebli wird ein robustes, fröhliches und zugleich frommes Wesen nachgesagt. Oft hörte man sie laut singen, bevor sie aus einem Gebüsch auftauchte. Sie trank vor allem Schwarztee, gelegentlich auch Kirschwasser, und lebte hauptsächlich von Speck und Brot. Bei Begegnungen mit Wanderern bettelte sie stotternd um Geld oder Tabak. Bekam sie etwas, ließ sie sich gerne fotografieren – so entstand auch das bekannte Postkartenmotiv, einst ein Verkaufsschlager im Schwarzwald. Weitere Bilder sind heute in der Gaisfelsenhütte am Kandel-Höhenweg zu sehen.

Besonders im Glottertal ist die Erinnerung an die 1936 verstorbene Frau tief verwurzelt. So sehr beeindruckte ihr Leben die Menschen vor Ort, dass sie die Glottertäler Narrenzunft „Plattenwiebli“ gründeten. Die historische Figur selbst wurde dabei zur zentralen Fasnetsfigur der Zunft.

Die Narrenzunft als lebendiges Denkmal

Dass ausgerechnet das Plattenwiebli zur Symbolfigur der Zunft wurde, überrascht nicht. Mit ihrem unverwechselbaren Aussehen verkörpert sie bis heute eine der markantesten Figuren der regionalen Fasnacht. Die Narrenfigur orientiert sich eng am historischen Vorbild und hält die Erinnerung an die außergewöhnliche Frau lebendig.
Alles über die Narrenzunft gibt es unter https://plattewiebli.de

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