TV-Tipp / Trachten: Heimat in Samt und Seide

Bei der Arbeit: Tanja Schlegel ist eine der letzten Schäppelmacherinnen im SchwarzwaldBei der Arbeit: Tanja Schlegel ist eine der letzten Schäppelmacherinnen im Schwarzwald

TV-Tipp / Trachten: Heimat in Samt und Seide

Montag, 13 September 2021

Darauf dürfen wir uns wirklich freuen: „Trachten: Heimat in Samt und Seide“ heißt die 45-minütige Dokumentation, die das SWR-Fernsehen am Sonntag, 3. Oktober um 17.45 Uhr sendet.

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Der Bollenhut ist das Symbol für den Schwarzwald. Trachtenvereine in Schwaben sind stolz auf ihre lange Tradition. Die Bewahrer*innen der Hotzenwälder Tracht feiern ihre Kostüme sogar als die älteste Tracht Deutschlands. Das vielfältige Brauchtum in Baden und Württemberg scheint zu zeigen, dass hier jahrhundertealte Überlieferungen gepflegt und mit Leben gefüllt werden. Dabei sind diese Traditionen viel jünger, als man denkt: Was heute unter "Tracht" verstanden wird, ist keine 200 Jahre alt.

Besucht werden jene Menschen, die "ihre" Trachten bewahren. So wie Tanja Schlegel, eine der letzten Schäppelmacherinnen oder auch Waltraud Kech, die sich noch auf die Herstellung von Bollenhüten versteht. Fotograf Sebastian Wehrle inszeniert die Trachten seiner Heimat auf besondere Weise und im Glottertal modernisiert Stefanie Kunert behutsam Schwarzwaldtrachten.

Versteht sich auf die Herstellung von Schwarzwälder Bollenhüten: Waltraud Kech

Die SWR Doku von Autorin Katharina Schickling erzählt die wahre Geschichte von der Erfindung der Tracht. Sie schildert, wie die unter Napoleon geschaffenen Länder Baden und Württemberg sich eine Identität zurechtschneidern, auch, indem sie mit dem Pflegen von einheitlichen Trachten ein Stück Identität erzeugen.

In Archiven und Museen geht es auf Spurensuche mit Forscherinnen wie der Volkskundlerin Lioba Keller-Drescher oder Kuratorin Brigitte Heck vom Badischen Landesmuseum. Die Zuschauer*innen erfahren, wie Monarchen und Maler zu jener Zeit "ihr" Bild der ländlichen Bevölkerung schufen - und was die Bevölkerung auf dem Land tatsächlich trug: viel individuellere Kleidung, der Mode der Zeit entsprechend.

Der Fotograf Sebastian Wehrle inszeniert die Trachten seiner Heimat auf eine ganz besondere Weise

Mit dem Aufkommen des Tourismus kommt ein weiterer Grund hinzu, bildmächtige Darstellungen zu schaffen. Bilder von Bollenhut-tragenden Mädchen, besonders beliebtes Motiv der Gutacher Maler*innen-Kolonie, werden werbewirksam verbreitet und bringen den Bollenmut in Mode. Im zerstörten Nachkriegsdeutschland verkörpert das Schwarzwaldmädel im ersten deutschen Nachkriegs-Farbfilm die Sehnsucht nach einer heilen Welt. Gleichzeitig wird der Bollenhut politisch aufgeladen: In den Auseinandersetzungen um die Bildung eines gemeinsamen Bundeslandes Baden-Württemberg ist es 1952 ausgerechnet die Tracht der einst württembergischen Schwarzwald-Gemeinden, die zum Symbol badischer Eigenständigkeit hochstilisiert wird.

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