Menschen 4: Nicht von ungefähr berühmt: das Plattenwieble

Menschen 4: Nicht von ungefähr berühmt: das Plattenwieble Foto: Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Menschen 4: Nicht von ungefähr berühmt: das Plattenwieble

Am 16. Dezember 1936, also fast auf den Tag genau vor 80 Jahren, starb Josepha Schulz. Die BZ über die bettelnde, rauchende und fluchende, gerade mal 1,40 Zentimeter große Frau, die viele rund um das Glottertal nur als „Plattenwieble“ kannten: „Sie ist die Legende vom Schwarzwald“.

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Und die Zeitungsmacher haben recht. Das Plattenwieble“ war nämlich schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit, um die sich bis heute zahlreiche Anekdoten ranken. Das Gesicht tief zerfurcht, die Ohren riesig, auf dem Kopf ein ausgebeulter Männerhut und fast immer die Mund, „gefüttert“ mit geschnorrten Zigarrenstumpen, die sie genüsslich rauchte. Drei Röcke trug sie übereinander, lief Sommer wie Winter barfuß durch die Gegend, fing Frösche, ernährte sich fast ausschließlich von Brot und Speck, trank gerne Tee und noch lieber „Chriesewässerle“ (Kirschwasser). Als sie starb, gaben ihr die Menschen ihre Pfeife auf dem Friedhof von St. Peter mit ins Grab.
Der Name „Plattenwieble“ geht auf die Platte zurück, eine Hochebene in 1.000 Meter Höhe wenige Kilometer nördlich von St. Peter, wo die nur 1,40 Meter kleine Josefa Schuler oft anzutreffen war. Meist war erst ihr lautes Singen zu vernehmen, bevor die Frau, die man leicht für einen Mann halten konnte, aus einem Gebüsch hervorkam.
Die Geschichte des „Plattenwieble“ ist allerdings eine eher traurige. Geboren wurde Josepha 1858 auf dem Langeckerhof in St. Peter geboren.  Mit 30 Jahren hatte sie von einem Hirten ein uneheliches Kind, eine Tochter, bekommen, die ihr ein und alles war. Als das Mädchen mit fünf Jahren an Diphterie erkrankte und starb, verkraftete das die Mutter nicht. Josefina Schuler wurde wunderlich, schrullig gar. In ihren letzten Lebensjahrzehnten wusch sie sich nicht mehr und legte sich Nacht für Nacht mit all ihren Kleidern auf der Ofenbank zum Schlafen, die zugleich auch ihr Arbeitsplatz war. Dort band sie Reisigbesen, die sie in der Umgebung verkaufte. Wegen der Besen nannten sie manche auch die „Kandelhexe.“
Lief der Besenverkauf mal nicht so gut, entwendete sie schon einmal Eier aus der Küche einer Bäuerin und verkaufte ihr dieselben oder sie ließ manch Waldarbeiter vergeblich nach seinem Vesper suchen. Begegnete sie Wanderern, bettelte sie stotternd um Geld oder Tabak. Bekam sie etwas, ließ sie sich bereitwillig fotografieren. Wahrscheinlich ist so das bekannte Postkartenmotiv entstanden, das es von ihr gibt. Ein Tipp von der Hochschwarzwald Tourismus GmbH: Wer sich selbst ein Bild von ihr machen will, findet an den Wänden der Gaisfelsenhütte, die am Kandel-Höhenweg liegt, Fotos vom Plattenwieble. Auf der Seite findet sich Hochschwarzwald Tourismus GmbH findet sich übrigens ein ausführlicher Bericht von Barbara Bollwahn übers Plattenwieble.
Vielleicht gehen Sie aber auch im Glottertal auf die Fasnacht.  Dort gibt es die Plattenwieble-Zunft. Die kleidet sich so, wie einst die Schwarzwaldlegende.

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