Menschen 4: Eine Schwarzwald-Legende - das Plattenwieble

Das Plattenwieble trug drei Röcke übereinander, auf dem Kopf saß ein ausgebeulter Männerhut, sie fing Frösche und schnorrte Zigarrenstumpen, die sie genüsslich in ihrer Pfeife rauchte. Das Plattenwieble trug drei Röcke übereinander, auf dem Kopf saß ein ausgebeulter Männerhut, sie fing Frösche und schnorrte Zigarrenstumpen, die sie genüsslich in ihrer Pfeife rauchte. Foto: Storz/Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Menschen 4: Eine Schwarzwald-Legende - das Plattenwieble

Sie war gerade mal 1,40 Meter groß, das Gesicht tief zerfurcht, die Ohren riesig, auf dem Kopf trug sie immer einen ausgebeulten Männerhut und fast immer hatte sie die Pfeife im Mund, in der ein großer Zigarrenstumpen steckte, den sie genüsslich rauchte. 

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Josefa Schuler hieß die Frau, die schon zur Lebzeiten eine echte Legende wurde. Wohl nur ganz wenige kannten sie unter ihrem richtigen Namen. Berühmt war sie vor allem als „Plattenwieble“, wobei der Name auf die „Platte“, eine Hochfläche bei St. Peter, zurückzuführen ist, wo sie häufig anzutreffen war.

Viele, viele Anekdoten und Geschichten ranken sich um die Frau, die 1854 auf dem Langeckhof bei St. Peter geboren wurde, wobei das genaue Geburtsdatum nicht überliefert ist. Das was wir vom „Plattenwieble“ sicher wissen, stimmt zunächst einmal traurig. Mit 30 Jahren brachte sie ein von einem Hirten stammendes uneheliches Kind zur Welt. Das Mädchen war ihr Leben, ihr ein und alles. Als es mit fünf Jahren starb, war das für die Frau eine Katastrophe. Sie wurde zunehmend schrullig, ihr Verhalten immer seltsamer.

Wer mehr über das Plattenwieble erfahren will, dem empfehlen wir die Internetseiten der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, wo uns Barbara Bollwahn auf eindrucksvolle Weise näher vorstellt, davon erzählt, dass das Plattenwieble sich nicht mehr wusch und statt ins Bett legte sie sich mit all ihren Kleider Nacht für Nacht auf die Ofenbank, die zugleich auch ihr Arbeitsplatz war. Hier band sie Reisigbesen, die sie dann in der Umgebung verkaufte, wobei dies dann auch der Grund dafür war, dass viele das „Plattenwiible“ auch Kandelhexe nannten, auch wenn – wie Barbara Bollwein feststellt, „deren Besen nicht zum Fegen und nicht zum Fliegen gemacht waren.“ 

Drei Röcke trug Josefina Schuler übereinander. Nicht nur das: Sie lief nur barfuß umher. Im Sommer, aber auch im Winter und wenn es mit dem Besenverkauf mal nicht so richtig hinhaute, konnte es schon sein, dass sie einer Bäuerin mal die Eier entwendete, um ihr sie dann später zu verkaufen. Und so mancher Waldarbeiter soll in jener Zeit immer wieder mal sein Vesper vermisst haben.

Ein robustes, bislang heiteres und frommes Wesen hatte sie. Meist war erst ihr lautes Singen zu vernehmen, bevor die Frau, die man leicht für einen Mann halten konnte, aus einem Gebüsch hervorkam. Barbara Bollwein erzählt, dass gerne Schwarztee trank und sich hauptsächlich von Speck und Brot ernährte. Auch dem Chriesewässerle, dem Kirschwasser, soll sie nicht abgeneigt gewesen sein.

Begegnete sie Wanderern, bettelte sie stotternd um Geld oder Tabak. Bekam sie etwas, ließ sie sich bereitwillig fotografieren. So dürfte auch das berühmte Postkartenmotiv entstanden sein, das es von ihr gibt. Noch mehr Bilder von ihr finden sich übrigens an den Wänden der Gaisfelsenhütte, die am Kandel-Höhenweg liegt.

Am 16. Dezember 1936 starb Josefa Schuler im Alter von 82 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Friedhof in St. Peter.  Noch heute gibt es dort das eindrucksvolle schmiedeeiserne Grabkreuz mit der Inschrift: „Hier ruht Josefa Schuler, Plattenwieble“. Vielleicht schauen Sie ja mal bei ihr vorbei.

Vergessen ist die Frau bis heute nicht. So gibt es im Glottertal eine nach ihr benannte Fasnachtsfigur, die natürlich so gekleidet ist, wie die Menschen das Plattenwiible kannten.

 

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