G’schichtle 33: Wie der Kaiserstuhl zu seinem Namen kam

Weithin sichtbar: der „Kaiserstuhl“ in Leiselheim Weithin sichtbar: der „Kaiserstuhl“ in Leiselheim Foto: Max Engler

G’schichtle 33: Wie der Kaiserstuhl zu seinem Namen kam

Nein,übersehen kann man ihn nun wirklich nicht - diesen „Kaiserstuhl“. Sieben Meter ragt er in der Höhe, so als wollte er sagen: „Kommt her,  schaut mich an, dann wisst ihr, warum der Kaiserstuhl Kaiserstuhl heißt.“ „Ich“, so scheint er sagen zu wollen, „bin der Stuhl, der der Landschaft hier ihren Namen gegeben hat.“

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Na ja gut, so ganz stimmen tut dies ja nicht, denn den hölzerenen Stuhl gibt es nicht schon seit Kaisers Zeiten, sondern erst seit ein paar Jahren. Genauer gesagt seit dem Jahre 2005, als  das heute zu Sasbach gehörende Leiselheim seine 850-Jahr-Feier  hatte. Auf die Idee mit dem Stuhl kamen die cleveren Leiselheimer nicht von ungefähr. Schließlich nennt sich die Landschaft auf dem der Stuhl steht,  „Gestühl“.  Und diese Bezeichnung weist darauf hin, dass sich hier einst ein bedeutender Gerichtsplatz befunden hat, der in seiner Bedeutung weit über Leiselheim hinausreicht.

Ja, es soll sogar der deutsche König Otto III. s gewesen sein, der hier im Jahre 994 auf seiner Durchreise ein Fürstengericht abgehalten haben soll. Otto, der nach dem Tod seines Vaters bereits mit drei Jahren zum König gewählt wurde, war damals gerade 14 Jahre alt. Es war das Jahr, in dem er nach seiner Vormundschaft die ersten selbstständigen Entscheidungen traf. Als der König weg war nannten die Menschen die Region „Königsstuhl“ und als Otto III. zwei Jahre später Kaiser wurde, wurde aus dem Königs- eben der Kaiserstuhl. Allerdings: Das Ganze ist dann doch mit einem dicken Fragezeichen zu versehen. Historiker vermuten, dass der Begriff „Kaiserstuhl“ nicht vor dem 13. Jahrhundert entstanden ist. Nachweislich belegt ist die Bezeichnung „Kaiserstuhl“ erst seit 1304.

Klar scheint aber indes zu sein, dass die Bezeichnung „Kaiserstuhl“ hier von Leiselheim seinen Ausgang nahm. Daran wollten die Leiselheimer Riesenstuhl anlässlich des Dorfjubiläums 2005 erinnern. Drei Jahre später sollte der Stuhl wieder abgebaut werden. Doch das Landratsamt in Emmendingen hatte die Stärke der „kaiserlichen Truppen“ in und um Leiselheim gewaltig unterschätzt: Einen kaiserlichen Stuhl baut man nicht einfach so ab. Letztendlich musste man in Emmendingen klein beigeben. Mit einem großen Fest feierte die Bevölkerung den „Sieg“ übers Amt und kein Mensch möchte den Stuhl heute wohl mehr missen. Für viele die in der herrlichen Kaiserstuhlregion unterwegs sind, ist der Besuch des sieben Meter hohen Stuhls zu einem Muss geworden. Ja, er zählt inzwischen zu deren beliebtesten Fotomotiven. Schließlich kann man mit ihm auf eindrucksvolle Weise zeigen: „Schau, ich war da, im Kaiserstuhl.“

Wenn Sie am Kaiserstuhl sind, sollten Sie auch Leiselheim selbst vorbeischauen und dessen Wein probieren. Es lohnt sich. Er kommt aus dem „Gestühl“ – so heißt die weithin gerühmte Weinlage der Leiselheimer -– und ist damit sozusagen ein richtig kaiserlicher Tropfen.

Und der Kaiser selbst? Nun, der dürfte mit Wohlgefallen auf „sein“ Leiselheim hinunterblicken, das mit seinen „Truppen“, für seinen Stuhl gekämpft hat und sich darüber freuen, dass er es letztlich war, der der Region ihren Namen gegeben hat. Allzuviel hatte der Kaiser in seinem Leben nämlich sonst nicht zu lachen. Er wurde gerade einmal 22 Jahre alt, starb 1002 nach starken Fieberanfällen in Italien, wobei manche meinen, dass da jemand mit ein bisschen Gift nachgeholfen hat.

 

 

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