G’schichtle 28: So war das mit dem Hornberger Schießen

G’schichtle 28: So war das mit dem Hornberger Schießen Foto: Schwarzwald Tourismus GmbH

G’schichtle 28: So war das mit dem Hornberger Schießen

Es ist an einem heißen Sommertag des Jahres 1564, als im schönen Schwarzwaldstädtchen Hornberg Herzog Christoph von Württemberg zu Besuch erwartet wird. Klar, dass dies für die Hornberger ein ganz besonderer Tag ist.

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Sie setzten alles daran, um dem hohen Gast einen würdigen Empfang zu bereiten und ihm den Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen, was ihnen dann auch gelingt. Allerdings ganz sicher aus einem ganz anderen Grund, als das den Hornbergern damals vorschwebte. Oben auf dem Schlossberg positionierten die Hornberger die zu diesem Anlass extra blankgeputzten Kanonen, um den Ehrengast mit mächtigen Kanonendonner zu empfangen. Auf dem Schlossturm wurde ein Wächter positioniert, dem die wichtige Aufgabe oblag ins Tal hinunterzuspähen und sofort kräftig ins Horn zu blasen, sobald der Herzog sich in Sichtweise der Stadt genähert hat. Für die Männer an den Kanonen das Signal, um mit dem Salut zu beginnen.

Endlich! Drunten im Tal wirbelt Staub auf. Der Wächter bläst ins Horn und auf dem Schloss beginnt ein Freudenschießen, das so groß war, dass stark war, dass den Hornbergern fast die die Ohren abgefallen wären. Als aber der Zug, den der Wächter für den hochmögenden Herrn und sein Gefolge gehalten hatte, näherkommt, stellt sich zum allgemeinen Schrecken heraus, dass es nur ein Hirte und seine Rinderherde waren, die so viel Staub aufgewirbelt hatten. Der Schrecken wird zum blanken Entsetzen, als die Kanoniere feststellen, dass die ganzen Pulverkisten leer, also das letzte Pulver verschossen war.

Die Hornberger wären nicht die Hornberger, wenn ihnen zu guter Letzt doch noch was eingefallen wäre. Als der Herzog im Städtle eintrifft, schallt ihm aus vielen, vielen Kehlen statt mächtigem Kanonendonner ein lautstarkes „Piff-Paff“ entgegen. Lachen konnte der Herzog über diese Art des Empfangs nicht. Er ist sauer, erzürnt, fühlt sich verhöhnt. Erst als ihn der Schultheiß darüber aufklärt, wie es denn zu diesem seltsamen Empfang gekommen ist, muss dann auch der hohe Herr schmunzeln, sodass am Ende dann doch noch ein großes, fröhliches Fest stattfand, bei dem der Herzog kräftig mitfeierte. Ob er wohl geahnt hat, dass er gerade an einem fast historisch anmutenden Ereignis teilgenommen hat, das auch noch Jahrhunderte später fast in aller Munde ist?

Das Sätzchen „Es geht aus wie das Hornbergerschießen“ ist längst zum geflügelten Wort geworden, hat sogar in Schillers „Räuber“, eines der berühmtesten Werke der klassischen deutschen Literatur Eingang gefunden und wird bis heute immer dann verwendet, wenn eine Angelegenheit mit großem Getöse angekündigt wird, bei der dann aber letztlich nichts dabei herauskommt. In Hornberg selbst, weiß man schon längst, was man an den damaligen Vorgängen hat. Jahr für Jahr finden hier Freilichtspiele statt, die in einer herrlichen Kulisse das Hornberger Schießen wieder aufleben lassen und Tausende von Menschen begeistern. Richtig fröhlich geht’s da zu. Klar, dass das Schauspiel auch im Sommer 2018 wieder auf dem Programm steht. Ein Spaß, den Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen sollten.

Es ist übrigens nicht die einzige „Spur“, die es von dem Schießen in dem schmucken an der Schwarzwaldbahn gelegenen Städtchen gibt. So führt der „Hornberger Schießen-Weg“ von der Stadtmitte bis zum Schloss hinauf und erzählt an 14 Stationen nicht nur so manches über das damalige Ereignis, sondern auch über das Städtchen. Besonderen Spaß haben an verschiedenen Spielstationen auch die Kinder. Ja, und am Ende des „Hornberger Schießens“ steht auf einer Tafel ein weiterer Spruch, der hohen Bekanntheitsgrad erlangt hat: „Und die Moral von der Geschicht'? - Verschieß' zu früh dein Pulver nicht!" Wenn Sie diese Erkenntnis von Hornberg mit nach Hause nehmen und sie auch berücksichtigen, berücksichtigen, war das verfrühte Schießen an jenem heißen Tag dann doch nicht so ganz umsonst. Oder?

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