G’schichtle 36: Ins „Lollo“ dürfen nur die Damen rein

Blick ins Damenbad Blick ins Damenbad Foto: Regio Bäder GmbH

G’schichtle 36: Ins „Lollo“ dürfen nur die Damen rein

Ein Freibad in Deutschland, das ausschließlich den Damen vorbehalten ist? „Gibt’s nicht“, sagen Sie vielleicht. „Gibt’s doch“ sagen wir. Und wo? Natürlich im Schwarzwald, genauer gesagt in Freiburg: das Damenbad im Lorettobad.

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Ja, es ist schon ein ganz besonderes Bad, das „Lollo“ wie die Freiburger ihr Bad liebevoll nennen. Als es 1841 eröffnet wurde, hatten ursprünglich nur die Männer Zutritt. Heute gilt das Lorettobad als das älteste Familienbad Deutschlands. Auf jeden Fall war es das erste, das in Freiburg eröffnet wurde.

1886 schließlich wurde an das dem männlichen Geschlecht vorbehaltenen „Herren- und Gartenbad“ ein separates Damenbad angebaut. Und dabei ist es bis heute geblieben. Während im angrenzenden Familienbad des Lorettos natürlich auch die Männer Zutritt haben, ist das angrenzende, abgeschirmte Damenbad mit seinem 25-Meter-Becken für die Herren der Schöpfung tabu. Es ist damit das einzige Damenfreibad Deutschlands.

Dabei widerstand das Damenbad so manchen Anfechtungen. Während andernorts in den vergangenen Jahrzehnten nach und nach die Geschlechtertrennung in den Bädern aufgehoben wurde, blieb sie im Lorettobad bestehen. 1980 zog ein Jurastudent sogar vor Gericht, um sich mit Verweis auf die Gleichberechtigung den Zugang des männlichen Geschlechts zum Bad zu erzwingen. Zur Freude der Damenwelt eine Abfuhr, da es eine Einrichtung sei, die entsprechend ihrer Widmung genutzt werde und es darüber hinaus direkt angrenzend ja das große „männeroffene“ Familienbad gebe.

Nichtsdestotrotz ist die Welt der Damen ganz offenbar - zumindest für eine ganze Reihe von ihnen - eine nicht mehr ganz heile. Grund: Weil es nicht genügend weibliches Personal für die Badeaufsicht geht, müssen jetzt zwischendurch immer mal auch Männer als Aufsichtspersonal herhalten. Offenbar ein Schock für einen Teil der Damen. Die von ihnen Petition gegen die Anwesenheit der männlichen Aufsicht blieb erfolglos. Der Badbetreiber, die Regio Bäder GmbH, ließ sich nicht erweichen. Immerhin: Wer sich partout nicht dem Blick der männlichen Badeaufsicht aussetzen möchte, kann anrufen und fährt dann die Zeiten, an denen ausschließlich weibliches Badepersonal Dienst tut.

Egal, ob Sie nun ins große, für alle geöffnete Familienbad gehen oder als Frau nur unter Frauen im Damenbad sein wollen - lohnen tut sich der Besuch des „Lollos“ auf jeden Fall. Es ist ein Bad mit jeder Menge Charme, für viele Einheimischen mit seinen Umkleidekabinen im Stil der Jahrhundertwende trotz des großen Bäderangebots Freiburgs , das Schönste in der Stadt, wobei seine große Liegewiese das Bad zum größten öffentlichen Garten Freiburgs macht. Stark!

Ach ja, noch etwas: Es gibt dann doch noch Anlässe bei denen im Damenbad Männer zugelassen sind: bei den mehrmals im Jahr vom Förderverein der Freunde des Lorettobades organisierten, öffentlichen Konzerte ist dann auch männlichen Gäste der Zutritt ins Damenbad erlaubt. Am Haupteingang hängen dann Warnschilder: „Männer im Damenbad“!  

Infos über das Lorettobad gibt es unter www.badeninfreiburg.de

 

 

 

 

 

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