Schwarzwald aktuell
Foto: Bild vom ersten Strafzettel der Welt. Aufbewahrt wird er im Archiv des Automobilmuseums „PS.Speicher“ in Einbeck in Niedersachsen.
Foto: Bild vom ersten Strafzettel der Welt. Aufbewahrt wird er im Archiv des Automobilmuseums „PS.Speicher“ in Einbeck in Niedersachsen.

G’schichtle 37: Ein Schwarzwälder der 1. Temposünder der Welt

Oktober 3, 2019

Ja, die Schwarzwälder!  Sie sind eben von der schnellen Sorte. Manchmal von der ganz schnellen sogar, denn es war mit Alexander Gütermann ein Schwarzwälder, der am 16. Mai 1895 einen Strafzettel für zu schnelles Fahren erhielt.

„Na und“, werden Sie vielleicht fragen. „Ist doch alltäglich.“ Ist es eben nicht. Zumindest war es damals nicht, denn das Knöllchen, das dem Herrn Gütermann ins Haus flatterte, war der weltweit erste Strafzettel, der je für Raserei ausgestellt wurde. Drei Mark waren damals fällig.

Überführt wurde unser Raser natürlich nicht durch irgendeinen Blitzer. Nein, wie auf dem Bild nachzulesen ist, flatterte der ihm ins Haus, weil vorher bei seiner rasanten Fahrt durchs beschauliche Denzlingen noch etwas anderes geflattert hat: die Vorhänge in einem Gasthof.

Schneller Schwarzwälder

Der Strafzettel befindet sich heute im Archiv des Automobilmuseums „PS.Speicher“ in Einbeck in Niedersachsen. Dort steht auch das damalige Auto, wobei es sich bei dem im Strafzettel als „Benz-Motor-Pferd“ bezeichneten Gefährt um den „Patent-Motorwagen Benz Victoria“ gehandelt hat.

Gütermann war damals offenbar der erste überhaupt, der im südbadischen Raum mit einem Auto unterwegs war. Und er sorgte für kräftigen Wirbel. Die Urenkelin des schnellen Herrn Gütermann, Alexandra Gütermann aus Gutach, erinnert sich in einem Gespräch mit der Badischen Zeitung an Erzählungen, nach denen sich die Bäuerinnen am Wegesrand erschrocken bekreuzigt hätten, wenn der Urgroßvater an ihnen vorbeigefahren sei. Und auch die Pferde hätten zu scheuen begonnen, als sie die neue Konkurrenz gesehen hätten.

Eine innerörtliche Höchstgeschwindigkeit gab es zu jenen Zeiten übrigens im Großherzogtum auch schon. Innerorts durfte man nicht schneller als 6 km/h unterwegs sein, außerorts nicht schneller 12 km/h. Gütermanns Benz brachte es in der Spitze bis zu 30 km/h, die er bei seiner Fahrt durch Denzlingen allerdings der schlechten Straßen wegen nicht erreicht haben dürfte. Doch die 6 km/h dürfte der gute Mann locker gepackt.

„Sorry Denzlingen“

Richtig berühmt wurde der weltweit erste Strafzettel wieder 2016. Der Autobauer Mercedes-Benz hatte 121 Jahre nach der rasanten Fahrt das historische Dokument irgendwie wieder ausfindig gemacht. Und es reagierte. In der Pfingstausgabe der Badischen Zeitung entschuldigte sich der Autobauer in einer Anzeige humorvoll mit Verweis auf die heutigen Verkehrszeichenassistenten mit den Worten: „Sorry Denzlingen, kommt nicht wieder vor “. Darüber hinaus bedankte sich das Unternehmen für die Inspiration, die man aus dem Vorgang erhalten habe.

Das Video gibt es www.youtube.com. Dort nur einfach „Erster Strafzettel der Welt“ eingeben. Lohnt sich, ist nämlich nett gemacht.

 

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