G‘schichtle 35: Gottfried Tulla: Der Mann, der den Rhein verkürzte

Johann Gottfried Tulla war der Mann, der den Rhein durch seine Begradigung um 81 Kilometer kürzer machte. Hier bei Karlsruhe. Johann Gottfried Tulla war der Mann, der den Rhein durch seine Begradigung um 81 Kilometer kürzer machte. Hier bei Karlsruhe. Foto: Von Ikar.us (talk) - Karlsruhe:Bild:SchiffeMaxau.jpg, CC BY 2.0; Wikipedia

G‘schichtle 35: Gottfried Tulla: Der Mann, der den Rhein verkürzte

Er war der Mann, der den Oberrhein von Basel aus vor mehr als 200 Jahren von einer 354 Kilometer langen Strecke um 81 Kilometer auf nur 273 Kilometer verkürzte. Kein anderer hat das Leben der Menschen am Oberrhein so beeinfluss wie Gottfried Tulla, der vor genau 250 Jahren in Karlsruhe geboren wurde.

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Von ihm stammen die Pläne der Rheinbegradigung. Mit ihr sollte die Hochwassergefahr gebannt werden und auch die auf die sumpfigen Gebiete zurückzuführende Seuchengefahr reduziert werden. 

Wer sich heute den Rhein ab Basel flussabwärts anschaut, blickt auf einen breiten, nahezu schnurgeraden Strom, der sich seinen Weg in Richtung Norden nicht wie einst selbst sucht, sondern in ein maximal 250 Meter breites, durch Dämme gesichertes gerades Bett gezwungen ist.

Bis zur Verwirklichung der Rheinbegradigung war der Oberrhein ein weit verzweigter Fluss, der sich seinen Weg ungebändigt in gewaltigen Mäandern durch eine weite Auenlandschaft suchte und damit bei Hochwasser immer wieder für schwere Schäden sorgte. Äcker und manchmal sogar ganze Ortschaften wurden mitgerissen.

Der Oberrhein hatte damals eine Breite von drei bis vier Kilometern und bei Überschwemmungen wurde er schon einmal bis zwölf Kilometer breit.  Der Fluss wurde von den Menschen zum Fischfang, die Auenwälder mit den fruchtbaren Böden für den Ackerbau genutzt.

Die Arbeiten dauerten bis ins Jahr 1876. Nach deren Abschluss waren von der 354 Kilometer langen Strecke nur 273 Kilometer übriggeblieben. Der Rhein war um 81 Kilometer kürzer geworden. Erreicht worden war dies, indem dem Rhein seine Schlingen genommen und er durch gerade Durchstiche in ein neues, tieferes Bett gezwängt wurde. Die Fertigstellung der Arbeiten erlebte der „Vater“ der Rheinbegradigung allerdings nicht mehr. Er war bereits 1828 gestorben.

Allerdings: Bei allen Vorteilen, die mit der Reduzierung der Hochwassergefahren am Oberrhein verbunden waren, brachte die Begradigung auch Nachteile.  Mit der steigenden Fließgeschwindigkeit stieg auch die Tiefenerosion im Flussbett, was einen sinkenden Grundwasserspiegel zur Folge hatten. Brunnen mussten tiefer gebohrt werden. Der Fischbestand die Auenwälder gingen zurück.

Nicht nur das: Für die flussabwärts nach der Rheinbegradigung liegenden Gebiete stieg die Hochwassergefahr. Hier kam mehr Wasser in größerer Geschwindigkeit an, da ja die Ausdehnungsflächen am Oberrhein gekappt worden.

Dies hat inzwischen zu Korrekturen der Korrektur geführt. Am Oberrhein werden und wurden Ackerflächen zu weiträumigen Poldern umgebaut, die bei Hochwasser geflutet werden können und so die Dämme und vor allem die besonders hochwassergefährdeten Gebiete flussabwärts im Raum Köln schützen sollen.

Undenkbar wäre ohne die Tullas Werk mit Sicherheit die Rheinschifffahrt in der heutigen Form. Der Rhein wurde bekanntlich 1907 bis Basel schiffbar gemacht und auch die Energiegewinnung aus Wasser in der heutigen Form wäre ohne einen gebändigten Oberrhein nicht möglich.

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