G’schichtle 71: Wie der Schluchsee zum Schlucksee wurde

G’schichtle 71: Wie der Schluchsee zum Schlucksee wurdeFoto: Von Michael Overmeyer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49463647

G’schichtle 71: Wie der Schluchsee zum Schlucksee wurde

Wussten Sie, dass es Zeiten gab, in denen der Schluchsee deutschlandweit in aller Munde, in den Schlagzeilen war? Na gut, nicht unter seinem eigentlichen Namen Schluchsee, sondern der größte aller Schwarzwaldseen schaffte es als „Schlucksee“ in Presse, Rundfunk, Fernsehen. Geschafft hat dies niemand Geringeres als die deutsche Nationalmannschaft.

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Riesenempfang im Schwarzwald

Der 2. Juni 1982, abends. Hunderte von Fans umlagern die Zufahrt des renommierten Hotels in Schluchsee, in dem die deutschen Fußballstars zu ihrem vorbereitenden Trainingslager für die WM in Spanien erwartet werden. Dann rollt der Bus an. Das Team ist da. Schumacher, Breitner, Rummenigge, Fischer, Magath, Matthäus, Allofs, Immel, Stielecke, Hrubesch, Hansi Müller und, und, und. Der Bundestrainer damals: Jupp Derwall. Der Jubel der Fans kennt keine Grenzen, die Trachtenkapelle Schluchsee spielt zur Begrüßung.

Zocken und Trinken im Schwarzwald

Am Schluchsee lernen Deutschlands beste Kicker eine völlig neue Art eines Trainingslagers kennen. Waren sie vier Jahre zuvor in Malente im Vorfeld der WM noch in der Sportschule Malente kaserniert worden, ließ ihnen jetzt Jupp Derwall jede Menge Freiheiten. Und siehe da, Juppheidi undJuppheida, einige der Spieler nutzen dies weidlich aus. Alkohol, Kartenspiele wie Poker, bei denen schon mal Zehntausende von Mark den Besitzer gewechselt haben sollen und andere Eskapaden warfen ein schlechtes Licht auf die Kicker – schon bald machte das Wort vom „Schlucksee“ die Runde.

Trotz alledem schafften die deutschen Fußballer in Spanien den Einzug ins Endspiel, waren aber bei der 1:3-Niederlage gegen Italien ohne Chance. Eine andere Partie blieb indes viel mehr in Erinnerung als das Finale: der „Nichtangriffspakt“; die Partie gegen Österreich. Mit einem unerträglichen Ballgeschiebe sicherten sich die beiden Teams zu Ungunsten Algeriens das Weiterkommen in die nächste Runde. Es war das Skandalspiel dieser WM. Von der Begeisterung der Fans in den Schwarzwaldtagen am Schluchsee war es ab diesem Tag vorbei.

Fünf Jahre später plauderte Nationalmannschaftstorhüter Toni Schumacher in seinem Buch „Abpfiff“ über die wilden Tage vom Schluchsee in epischer Breite von den Zockern und Trinkern vom Schluchsee und sorgte dafür bei für Riesenärger bei vielen seiner Nationalmannschaftskollegen und beim DFB. Das Enthüllungsbuch, das auch noch andere Geschichten als die vom Schluchsee enthielt, bedeutete für den Toni dann tatsächlich den Abpfiff in der Nationalmannschaft. Der DFB verbannte ihn aus dem Team.

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