G’schichtle 61: Als dem Schwarzwald die Bäume ausgingen

Da braucht man schon viel Fantasie, um sich diese Waldflächen im Nationalpark nahezu ohne Bäume vorzustellen. Aber es gab diese Zeit. Bei dem See handelt es sich übrigens um den Wildsee. Da braucht man schon viel Fantasie, um sich diese Waldflächen im Nationalpark nahezu ohne Bäume vorzustellen. Aber es gab diese Zeit. Bei dem See handelt es sich übrigens um den Wildsee. Foto: : Charly Ebel (Nationalpark Schwarzwald)

G’schichtle 61: Als dem Schwarzwald die Bäume ausgingen

Nein, wer heute im Schwarzwald unterwegs ist, der kann sich kaum vorstellen, dass es eine Zeit gab, in der ihm die Bäume auszugehen drohten. Erst eine radikale Umkehr in der Forstwirtschaft sorgte dafür, dass wir den Schwarzwald so erleben können, wie wir ihn heute kennen.

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Ende des 18. Jahrhunderts bestand der Schwarzwald in weiten Bereichen nur noch aus Grün- und Buschland. Der Wald stand vor dem Ruin. Dafür gab es gleich mehrere Gründe. Der lange undurchdringliche Wald wurde mehr und mehr erschlossen. Eine Vielzahl von Gewerben siedelte sich an. Ob Eisen- und Glashütten, Köhlereien oder der Erzbergbau: Sie alle einte eines. Sie verschlangen gigantische Mengen von Holz. So wurden beispielsweise zu der Herstellung von einer Tonne Eisen 40 Festmeter Holz benötigt.

Eine große Rolle spielte auch der Handel mit Starkhölzern. Riesige Schwarzwaldtannen wurden zu mächtigen Flößen zusammengebunden, die über Enz, Murg oder Kinzig in den Rhein und so z. B. bis nach Holland gelangten, was diesen Bäumen den Namen Holländertannen einbrachten. Dort waren sie als Baumaterial für Schiffe und auch für den Städtebau sehr begehrt: Wussten Sie, dass Amsterdam auf Tausenden von Schwarzwaldtannen im sumpfigen Grund gebaut wurde? Über viele Jahre war die Flößerei ein wichtiger Erwerbszweig im Schwarzwald.

Auch die Landwirtschaft setzte dem Wald zu. Mangels Weideflächen wurde das Vieh in den Wald getrieben. Der Jungwuchs wurde weggefressen und der Boden durch die Tiere schwer beschädigt. Ende des 18. Jahrhunderts hat die extensive Nutzung des Waldes die Waldflächen im Schwarzwald stellenweise bis auf 10 % zurückgehen lassen.

Der katastrophale Zustand zwang zum Umdenke; die Menschen waren dabei sich ihre eigenen Lebensgrundlagen selbst zu entziehen. Zu Beginn des 19, Jahrhunderts setzte ein gewaltiges Umdenken ein. Jetzt durfte man dem Wald nur noch so viel Holz entnehmen, dass auch noch die nachfolgende Generation in den Genuss der gleichen Holzmenge kommen konnte.

Ein gewaltiges Wiederaufforstungsprogramm wurde in Gang gesetzt. Der Wald, der bis zur menschlichen Besiedelung vor allem aus Buchen, Tannen und Kiefern bestand, erhielt ein neues Gesicht. Die Wiederaufforstung wurde mit der Fichte vorangetrieben, die eine wesentlich höhere Rentabilität hatten, als die ursprünglichen Bäume.

Aus dem abwechslungsreichen Schwarzwald wurde ein monotoner Wald. Die Aufforstungen sorgten dafür, dass die Waldfläche im Schwarzwald allein bis 1965 um 100.000 Hektar größer war vor Beginn des Raubbaus. Die Fichten wurden in nahezu zwei Jahrhunderten zur bestimmenden Baumart. Ihr Nachteil: Sie waren wesentlich sturmanfälliger, als die bisherigen Bäume. Besonders deutlich wurde dies, als „Sturm Lothar“ 1999 über das Land fegte und katastrophale Schäden anrichtete.

Der Sturm war aber auch eine Chance. Bei der Wiederaufforstung wurde darauf geachtet, dass der Schwarzwald wieder mehr zu einem Mischwald wird. Gerade die Buche spielt da eine besondere Rolle.

Heute haben sich die Schwergewichte verlagert. Es kommt auch darauf an, die Kulturlandschaft Schwarzwald zu bewahren. Dies bedeutet auch, dass die freien Flächen bewirtschaftet und vor der Verwilderung bewahrt werden müssen. Eine entscheidende Bedeutung kommt hier der Landwirtschaft zu.

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