G’schichtle 42: Die Badner und ihr Bollenhut-Plakat

Werbung mit dem Bollenhut für den Erhalt Badens. Das Pikante daran: Es ist die Tracht der drei evangelischen Dörfer Gutach, Kirnbach und Reichenbach, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts württembergisch waren. Werbung mit dem Bollenhut für den Erhalt Badens. Das Pikante daran: Es ist die Tracht der drei evangelischen Dörfer Gutach, Kirnbach und Reichenbach, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts württembergisch waren. Foto: LMZ Baden-Württemberg

G’schichtle 42: Die Badner und ihr Bollenhut-Plakat

In diesem Jahr (2019) kann der Bollenhut seinen 222. Geburtstag feiern. Eine lange Zeit, in der der Hut für so manches herhalten musste. Zum Beispiel im Jahr 1951, als im Ländle eine Volksabstimmung über die Gründung eines Südweststaates – dem heutigen Baden-Württemberg - stattfand.

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Dabei kam es im Vorfeld zu heftigen Auseinandersetzungen. Im bis dahin selbstständigen Baden regte sich heftiger Widerstand gegen die Pläne. Die Badener befürchteten in dem neuen Bundesland untergebuttert zu werden. Im Vorfeld der Abstimmung gab es natürlich auch eine „Plakatschlacht“. Auf einem dieser Plakate warb eine Bollenhutträgerin zusammen mit einem Trachtenträger unter dem Motto „Treu der Heimat – Baden unsere Stimme“ für eine weitere Selbstständigkeit ihres Landes.

Der Bollenhut wurde für die Gegner so zum Symbol für ihre badische Heimat. Ein bisschen seltsam und pikant war das dann schon, denn die Badener ausgerechnet mit einer in ihren Ursprüngen württembergischen Tracht für sich warben. Schließlich war es der württembergische Herzog persönlich, der 1797 Jahren den Anstoß zur Schaffung der Tracht gab, die bis heute in den drei Gemeinden Gutach, Kirnbach und Reichenbach getragen wird. Alle drei gehörten bis 1810 zum Herzogtum Württemberg und alle drei waren im Gegensatz zu den katholischen Badnern evangelisch.

Genutzt hat den Badnern der Einsatz des Bollenhuts letztlich aber nichts. Für die Abstimmung 1951 war das Abstimmungsgebiet durch ein Bundesgesetz in vier Zonen eingeteilt worden (Nordwürttemberg, Nordbaden, Südwürttemberg-Hohenzollern, Südbaden). Die Vereinigung der Länder sollte als akzeptiert gelten, wenn sich eine Mehrheit im gesamten Abstimmungsgebiet sowie in drei der vier Zonen ergab. Da eine Mehrheit in den beiden württembergischen Zonen sowie in Nordbaden bereits abzusehen war (hierfür wurden Probeabstimmungen durchgeführt), favorisierte diese Regelung die Vereinigungsbefürworter.

Bei der Abstimmung am 9. Dezember 1951 votierten die Wähler in beiden Teilen Württembergs mit 93 % für die Fusion, in Nordbaden mit 57 %, während in Südbaden nur 38 % dafür waren. In drei von vier Abstimmungsbezirken gab es daher eine Mehrheit für die Bildung des Südweststaates, so dass die Bildung eines Südweststaates beschlossen war, obwohl im gesamten badischen Gebiet 62,2 % dagegen gestimmt hatten.

Die Abstimmung bedeutete also das Ende der Selbstständigkeit Badens. Immerhin konnte man sich damit trösten, dass das neue Bundesland den Namen Baden-Württemberg und nicht Württemberg-Baden erhielt, die Badner zumindest hier die Nase vorne hatten. Baden ging auch in dem neuen Land nicht unter, fühlte sich da sogar schon recht bald ganz offensichtlich gut aufgehoben. Bei einer neuerlichen Volksabstimmung im Jahre 1970 stimmte jedenfalls eine überwältigende Mehrheit von 81,9 Prozent der Badner für den Verbleib im Bundesland Baden-Württemberg.

Die Badner wussten und wissen im Südweststaat ihre Interessen durchaus zu wahren und an der badischen Identität lässt man bis heute nicht rütteln. Mit Inbrunst wird bei jeder Gelegenheit das Badnerlied gesungen und wenn es sein muss, geht man für Baden auch mal auf die „Barrikaden“. Wie im vergangenen Jahr, als das Land doch tatsächlich die Hissung der badischen Flagge auf dem Karlsruher Schloss untersagte. Tausende protestierten dagegen und es dauerte nicht lange bis die Landesregierung  in Stuttgart in Stuttgart mit Ministerpräsident Kretschmann an der Spitze zur Vermeidung einer weiteren Eskalation die weiße Fahne, die der Kapitulation, hisste. Heute flattert über der einstigen badischen Residenz in Karlsruhe die gelb-rote Flagge wieder munter im Wind.

Und der Bollenhut? Nun, der steht heute nicht für Württemberg und auch nicht für Baden. Er steht für den Schwarzwald, ist weltweit zum Symbol für die wunderbare Schwarzwaldlandschaft geworden,

 

 

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