G’schichtle 15: Lawine reißt 17 Menschen in den Tod

G’schichtle 15: Lawine reißt 17 Menschen in den Tod Foto: Vom Vöhrenbacher Litographen Casimir Stegerer, der damals selbst vor Ort war, stammt diese Darstellung des Unglücksortes Stegerer

G’schichtle 15: Lawine reißt 17 Menschen in den Tod

Der 24. Februar 1844 ist in trauriger Tag. Ein Tag, der als der Tag in die Geschichtsbücher eingegangen ist, an dem sich das bislang größte Lawinenunglücks Deutschlands ereignet hat. Nicht irgendwo in den Alpen! Nein, hier bei uns im Schwarzwald. In Neukirch bei Furtwangen. 17 Menschen starben.

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Es ist 23 Uhr im Wagnerstal. In dem dem Königenhof benachbarten Gebäude hört die Frau des Uhrengestellmachers Beha ein Sausen wie von einem Windstoß, bei dem sogar das Gebäude erzitterte. Sie reagiert nicht. Für sie war das – wie sie später aussagen wird - nichts Ungewöhnliches. Schon den ganzen Tag hatte es draußen gestürmt. Sie geht ins Bett.
Erst in den frühen Morgenstunden wurde das Unglück von dem Uhrengestellmacher entdeckt, nachdem er vergeblich auf seine beiden auf dem Königenhof wohnhaften Söhne gewartet hatte. Doch als er in der Dunkelheit nach draußen trat und zum Königenhof hinüberstapfen wollte,war der Hof weg Das Gebäude war unter Tonnen von Schnee begraben.
Als die mächtige Lawine um 23 Uhr an dem Steilhang ins Tal hinunterdonnerte, saß - wie die späteren Ermittlungen ergaben - der Königenbauer mit seinen fünf Freunden gerade am Tisch und spielte Cego. Neben ihnen hielten sich in jener Nacht noch 18 weitere Personen auf dem Hof auf. Nur sieben der 24 Menschen – darunter vier Töchter des Hofbauern – konnten lebend aus den Trümmern geborgen werden. Es dauerte rund eine Woche bis die letzten Toten aus dem Schnee ausgegraben werden konnten,, nachdem es nach einem Tauwetter über Nacht eisig kalt wurde und der Schnee gefror. Auch eine Großzahl Vieh – darunter 23 Rinder und ein Pferd – wurden von der Lawine verschüttet. Ein Teil der Tiere lebte noch und musste nach der Bergung von  fünf Metzgern notgeschlachtet werden. Es muss ein fürchterliches Bild gewesen sein. Hunderte von Helfern waren sofort nach Bekanntwerden der Katastrophe in das Tal geeilt, um bei den Bergungsarbeiten zu helfen.
Natürlich wurde sehr schnell auch über die Unglücksursache diskutiert. Die Bewohner des Hofes hatten am Tag des Unglücks ein erstes Warnzeichen missachtet. Bereits gegen 18 Uhr- also fünf Stunden vor der großen Katastrophe – war eine kleinere Lawine abgegangen das benachbarte  Bienenhaus mitgerissen. Bei den Frauen im Haus kam Angst auf. Der Hofbauer und seine Knechte setzten sich über die Bedenken deren Bedenken hinweg und sahen für den großen, starken Hof keine Gefahr.
Doch sie sollten sich täuschen. Bis zu drei – manche sprechen sogar bis zu vier Meter – hatte sich der Schnee an dem Hang aufgetürmt. Einsetzendes Tauwetter sorgte dafür, dass die riesigen Schneemassen in Bewegung gerieten. Das Problem: Sie konnten ungehindert den Hang hinunterdonnern. Kein Baum hielt sie auf. Die hatte der Hofbauer abgeholzt. Mit den Bäumen wäre das Unglück – da sind sich die Experten einig - nie passiert.
Die 17 Toten wurden auf dem Friedhof in Neukirch beigesetzt. Eine Tafel mit den Namen der Verstorbenen und deren Lebensalter  erinnert an das Unglück. Der Hof wurde nie wieder aufgebaut. Die Kapelle des Kajetanhofs ist das letzte Gebäude aus der Zeit, als dieser Teil des Tals noch bewohnt war. Dort, wo einst der Königenhof stand, ist heute eine Grillhütte und ein Gedenkstein. Oben auf dem Hang, an der Stelle an der die Lawine ihren Ausgangspunkt hatte, steht ein Kreuz, das an das Unglück erinnert.

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