G’schicht’le 100: Der Totentanz in der Bleibacher Beinhauskapelle

Mit Sicherheit die außergewöhnlichste Kapelle des Schwarzwalds ist die, die in der Bleibacher Beinhauskapelle zum Totentanz aufspielt. Mit Sicherheit die außergewöhnlichste Kapelle des Schwarzwalds ist die, die in der Bleibacher Beinhauskapelle zum Totentanz aufspielt. Foto: Von user:joergens.mi - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18178300

G’schicht’le 100: Der Totentanz in der Bleibacher Beinhauskapelle

Auf den ersten Blick mag dieser Ausflugstipp für manchen sogar etwas Makabres an sich haben. Schließlich ist die Begegnung mit dem Tod nicht jedermanns Sache. Doch der Tod gehört zum Leben und hat die Menschen schon immer beschäftigt. Ein Beispiel dafür ist der Bleibacher Totentanz in der Beinhaus-Kapelle in der St. Georg-Kirche in Gutach-Bleibach im Breisgau nahe Freiburg.

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Der Bleibacher Totentanz gilt als ein ganz besonderes kulturhistorisches Juwel im süddeutschen Raum. Er besteht aus 34 Bildern, geordnet nach den Ständen der damaligen Zeit. Gehen Sie hin, schauen Sie ihn sich an. Es lohnt sich. Es ist eine außergewöhnliche Begegnung, die Ihnen in Erinnerung bleiben wird.

In alten Zeiten waren die Friedhöfe in aller Regel noch um die Kirche herum angelegt. Wurde dort der Platz zu eng, wurden die Gebeine ausgegraben und nicht selten in einem eigens errichteten Beinhaus aufbewahrt, fein sortiert nach Arm-, Beinknochen und Schädeln aufeinandergestapelt, wobei auf letzteren oft die Namen der Toten geschrieben wurden. Statt auf den Friedhof ging es jetzt eben ins Beinhaus zum stillen Totengedenken.

Diese Tänzchen kann niemand verwehren. Leider! Foto: Von user:joergens.mi - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18178267


Aus diesem Grund ließ auch der Pfarrvikar Martin Schill in Bleibach 1720 die Beinhauskapelle errichten. 1723 wurde dann im Gewölbe des Beinhauses vermutlich vom Waldkircher Maler Johann Winter der Totentanz gemalt. Seit dem 14. Jahrhundert hatten sich bildlicher Darstellungen dieser Art von der Macht des Todes über das Menschenleben entwickelt. Die auf Tannenholz mit Öl gemalten Bilder zeigen die Unbestechlichkeit des Todes. Er holt sich jeden. Der Tod als Gleichmacher, dem niemand entrinnen kann.

Außergewöhnliche Sehenswürdigkeit im Schwarzwald

Auf dem umlaufenden Bilderfries des Bleibacher Totentanzes tanzt der als Skelett dargestellte Tod mit seinen Opfern. Niemand wird verschont. Der Papst genauso wenig wie Priester, Kaiser, König oder Edelmann. Der Kaufmann macht da genauso sein letztes Tänzchen wie der Soldat, der Koch, der Bauer, der Tagelöhner, der Blinde oder die Kaiserin, die Bäuerin, die Pilgerin, das alte Weib, das Kind. . .  Unter jedem der Bilder steht ein Vierzeiler, in dem der Sensenmann erklärt, weshalb gerade jetzt das letzte Stündchen des Betroffenen schlägt. Ein richtiger Hingucker. Und was zu lesen gibt es auch. Versuchen Sie es!°

Rarität in Europa

Experten vermuten, dass der Künstler habe sowohl die Vorbilder in Basel und Kientzheim (Haut-Rhin) als auch die „Bilder des Todes“ von Hans Holbein d. J. gekannt haben dürfte, wobei der Totentanz in Bleibach noch einer der wenigen erhaltenen Totentänze in Europa ist. Dies macht ihn auch zu einem etwas ganz Besonderem, zu einem kulturhistorischen Juwel.

Aber es ist nicht nur der Totentanz in der Beinhauskapelle, der die Aufmerksamkeit des Betrachters verdient, sondern auch die Kirche St. Georg. Ein außergewöhnlicher Bau mit einer eigenwilligen Form und einem modernem Holz-Kirchturm, die im Schwarzwald ihresgleichen suchen und eine starke Anziehungskraft auf kunsthistorisch interessierte Besucher ausüben.

Das Beinhaus von innen, Ultraweitwinkelaufnahme mit den entsprechenden Verzerrungen. Foto: Von user:joergens.mi - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18178315

 

Info: Führungen zum Totentanz ab 1. April bis Ende Oktober jeweils am 1. Mittwoch des Monats ab 14:30 Uhr.

Gruppenführungen nach Anmeldung bei ZweiTälerLand Tourismus. Weitere Infos unter www.zweitaelerland.de

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