G’schichtle 37: Ein Schwarzwälder der 1. Temposünder der Welt

G’schichtle 37:  Ein Schwarzwälder der 1. Temposünder der Welt Foto: Bild vom ersten Strafzettel der Welt. Aufbewahrt wird er im Archiv des Automobilmuseums „PS.Speicher“ in Einbeck in Niedersachsen.

G’schichtle 37: Ein Schwarzwälder der 1. Temposünder der Welt

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Ja, ja, die Schwarzwälder.  Sie sind eben von der schnellen Sorte. Manchmal von der ganz schnellen sogar, denn es war mit Alexander Gütermann ein Schwarzwälder, der am 16. Mai 1895 einen Strafzettel für zu schnelles Fahren erhielt. „Na und“ werden Sie vielleicht sagen. Ist doch alltäglich.“ Ist es eben nicht. Zumindest war es damals nicht, denn das Knöllchen, das dem Herrn Gütermann ins Haus flatterte, war der weltweit erste Strafzettel der je für Raserei ausgestellt wurde. Drei Mark waren damals fällig.

Überführt wurde unser Raser natürlich nicht durch irgendeinen Blitzer. Nein, wie auf dem Bild nachzulesen ist, flatterte der ihm ins Haus, weil vorher bei seiner rasanten Fahrt durchs beschauliche Denzlingen noch etwas anders geflattert hat: die Vorhänge in einem Gasthof.

Der Strafzettel befindet sich heute im Archiv des Automobilmuseums „PS.Speicher“ in Einbeck in Niedersachsen.  Dort steht auch das damalige Auto, wobei es sich bei dem im Strafzettel als „Benz-Motor-Pferd“ bezeichneten Gefährt um den „Patent-Motorwagen Benz Victoria“ gehandelt hat.

Gütermann war damals offenbar der erste überhaupt, der im südbadischen Raum mit einem Auto unterwegs war. Und er sorgte für kräftigen Wirbel.  Die Urenkelin des schnellen Herrn Gütermann, Alexandra Gütermann, aus Gutach erinnert sich in einem Gespräch mit der Badischen Zeitung an Erzählungen, nach denen sich die Bäuerinnen am Wegesrand erschrocken bekreuzigt hätten, wenn der Urgroßvater an ihnen vorbeigefahren sei.  Und auch die Pferde begannen zu scheuen, als sie die neue Konkurrenz sahen. 

Eine innerörtliche Höchstgeschwindigkeit gab es zu jenen Zeiten übrigens im Großherzogtum auch schon. Innerorts durfte man nicht schneller als 6 km/h unterwegs sein, außerorts nicht schneller 12 km/h. Gütermanns Benz brachte es in der Spitze bis zu 30 km/h, die er bei seiner Fahrt durch Denzlingen allerdings nicht erreicht haben dürfte. Der schlechten Straßen wegen. Irgendwie kommt uns das doch bekannt vor . . .  Doch die sechs hat er natürlich locker gepackt. Denken wir.

Gelegentlich tauchen auch Zweifel auf, dass es sich bei dem Denzlinger Strafzettel tatsächlich um den ersten der Welt gehandelt hat. Das sehen wir jetzt mal mit heiterer Gelassenheit. Bislang hat jedenfalls noch keiner einen älteren vorgelegt, als den von Denzlingen.

Richtig berühmt wurde der weltweit erste Strafzettel zuletzt wieder, als Mercedes-Benz 121 Jahre später das historische Dokument irgendwie ausfindig machte und sich für die damalige Raserei in der Pfingstausgabe der Badischen Zeitung in einer Anzeige humorvoll mit Verweis auf die heutigen Verkehrszeichenassistenten mit den Worten „Sorry, Denzlingen, kommt nicht wieder vor “ bei den Denzlinger entschuldigt und sich darüber hinaus für die Inspiration bedankt, die man aus dem Vorgang erhalten habe.

 

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