G’schichtle 41: Der Silvesterzug durch Schiltach

Dieses historische Gemälde zeigt die Schiltacher beim Silvesterumzug. Dieses historische Gemälde zeigt die Schiltacher beim Silvesterumzug. Foto: www.schiltach.de

G’schichtle 41: Der Silvesterzug durch Schiltach

Es ist ein Brauch, den es im Schwarzwald so sonst nirgendwo mehr gibt. Die Rede ist vom Silvesterzug in dem kleinen Städtchen Schiltach (Kreis Rottweil), das auch als Stadt des Fachwerks, der Flößer und Gerber weithin bekannt ist.

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Wenn um 20.30 Uhr die große Glocke der Stadtkirche zu läuten beginnt, setzt sich der große Zug mit vielen, vielen Schiltachern mit Laternen in den Händen singend in Bewegung. Jahr für Jahr werden dabei die gleichen vier Lieder gesungen. Ein Brauch, der alle in seinen Bann zieht.

Alle künstlichen Lichtquellen in der Stadt sind ausgeschaltet. Die Reklame- und Schaufensterbeleuchtung genauso wie die Straßenbeleuchtung und auch in den Häusern entlang der Strecke ist das elektrische Licht ebenfalls aus.

Nur die Pechfackeln am Rande der Strecke und die Christbäume hinter den Fenstern leuchten. Traditionell werden die Männer, die im ablaufenden Jahr geheiratet haben, von der Stadt zum Ordnungsdienst eingeteilt und wachen über die Einhaltung der Regeln und der Ordnung. So ist beispielsweise das Abbrennen von Feuerwerk und Böllern streng verboten.

Die Entstehung des Silvesterzuges sieht der örtliche Heimatforscher Julius Hauth nicht vor 1811 und begründet dies damit, dass die Lieder, die am Silvesterzug gesungen werden, eindeutig pietistischen Ursprungs sind. Ein 2010 im Stadtarchiv gefundenes Dokument aus dem Jahr 1853 spricht dagegen schon damals von einer alten Sitte und lässt daher darauf schließen, dass der Ursprung der feierlichen Prozession wohl mindestens im 18. Jahrhundert zu suchen ist.

Da es um diese Zeit in Schiltach am meisten Pietisten gab und drei Lieder in dem kleinen Liederbuch zum Silvesterzug pietistischen Ursprungs sind, kann man annehmen, dass der Silvesterzug von Pietisten ins Leben gerufen wurde. Man wollte einen ehrwürdigen Abschluss für das alte Jahr finden und Gott dafür danken. Dieser Wunsch muss im Zusammenhang mit der Entwicklung des Neujahrstages zum Neujahrsfeiertag gesehen werden. Man traf sich ursprünglich am oberen Tor und zog singend mit dem Lied Nun danket alle Gott bis zum Pfarrhaus. Der Silvesterzug soll auch heute keine Touristenattraktion sein, sondern ein Dank an Gott für das zu Ende gehende Jahr.

Bereits 1869 wurde eine Ordnung für den Silvesterzug vom Kirchengemeinderat beschlossen. Der damalige Hauptlehrer J. Höflin, der die Lieder aufgeschrieben und die Melodien komponiert hat, setzte sich in einem Brief für den Erhalt und die Ordnung im Silvesterzug ein. Der evangelische Pfarrer hält eine Predigt vom Fenster des Pfarrhauses aus. Anschließend versammeln sich die Bürger vor dem Rathaus, wo der Bürgermeister eine Rede hält und die Stadtkapelle und der Männergesangverein feierliche Weisen anstimmen.

Weitere Infos unter www.schiltach.de.  Dort kann man sich auch die Lieder des Silvesterzugs anhören.

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